Sonntag, 2. März 2025

Die Entwicklung der Weltbevölkerung bis 2100 – was sagen die UN-Szenarien?

Ernst Schriefl

Der Text stammt aus meinem Buch „Öko-Bilanz. Ein Versuch einer nüchternen Bestandsaufnahme“ (Books on Demand) und ist der erste Teil des Kapitels „Bevölkerung - das Wachstum geht weiter. Genug für die Bedürfnisse aller?“. Dieses Kapitel entstand in einer ersten Version bereits im November und Dezember 2019. Es sind also die hier verwendeten Zahlen nicht mehr ganz aktuell, im wesentlichen sind aber die Kernaussagen noch gültig.


Von Mahatma Gandhi stammt das Zitat „Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier.“[1] Dieses berühmte Zitat wird auch in der Nachhaltigkeits-Szene gern verwendet, beschwört es doch ein romantisches, einfaches Bild der Nachhaltigkeit. Doch gibt es ein realistisches Bild wieder?

1950, also zwei Jahre nach Gandhis Tod, lebten etwa 2,52 Mrd. Menschen auf der Erde[2], im Mai 2020 waren es bereits etwa 7,8 Milliarden[3]. In nur 70 Jahren hat sich also die Weltbevölkerung mehr als verdreifacht. Nehmen wir an, zu Gandhis Zeiten hätte seine berühmte Aussage gerade noch gestimmt. Stimmt sie aber auch noch in einer Welt, in der dreimal so viele Menschen leben? Und auch in einer Welt, in der in nicht allzu ferner Zukunft vielleicht 9, 10 oder 11 Milliarden Menschen leben werden?

Und was heißt eigentlich „jedermanns Bedürfnisse“? Wenn man beobachtet, wie sich „Bedürfnisse“, also das, was als gesellschaftlich legitimierter materieller Mindest- oder Durchschnittsstandard gesehen wird, verändert haben, ist klar, dass sich diese mit dem technologischen Entwicklungsstand einer Gesellschaft rasch mitverändern. Dafür gibt es zahlreiche Beispiele (von denen hier nur einzelne herausgegriffen sind): Während vor 50 Jahren Computer noch unerschwinglich waren, ist es heute selbstverständlich, dass sich jeder (oder fast jeder, zumindest in weiten Teilen der Welt) zumindest einen Laptop-Computer leisten kann, und einen zu besitzen, gilt nicht als Ausdruck besonderer Gier. Als Michail Gorbatschow 1987 während einer Pressekonferenz ein „Mobira Cityman 900“ benutzte – eines der ersten Mobiltelefone, das diesen Namen auch verdiente – erregte das noch Aufsehen[4]. Heute sind Mobiltelefone beziehungsweise deren Nachfolger, die Smartphones, zu den selbstverständlichsten Alltagsgegenständen überhaupt geworden, und das praktisch weltweit, also auch in den nicht so begüterten Weltregionen.

Wenn wir den materiellen Lebensstandard eines Europäers der unteren Mittelschicht, also einer Person, die in ihrer Gesellschaft nicht als reich und schon gar nicht als gierig gilt, die möglicherweise sogar nach dem Maßstab ihrer Gesellschaft als arm eingestuft wird, aber nicht von drückender Armut betroffen ist und deren materielle Grundbedürfnisse abgesichert sind, als Maßstab heranziehen – lässt sich dieser Lebensstandard wirklich so einfach auf 7,8 Mrd. Menschen übertragen, oder gar auf 9, 10 oder 11 Milliarden?

Möglicherweise noch vom Gandhi-Zitat inspiriert – bewusst oder unbewusst – wird von hiesigen Umweltorganisationen die Bedeutung des Bevölkerungswachstums für die globale ökologische, soziale und politische Belastung oft heruntergespielt. Ein Beispiel dafür findet sich in einer E-Mailaussendung der „Plattform Footprint“ in der Vorbereitung auf den „Earth Overshoot Day 2018“[5]:

„Interessant ist, dass sich – meinem Eindruck nach – zunehmend Organisationen stärker ins Bild setzen, die ihren Fokus auf Kritik am Bevölkerungswachstum setzen. Letzteres bleibt zwar eine mittelfristige Herausforderung, ist in der aktuellen Debatte (Paris Ziele, 2050 „goals“ etc.) aber nur für einige wenige Schwellen-Länder von Bedeutung, die am globalen Overshoot allerdings sehr geringen Anteil haben. Dieser Fokus verschleiert die grundsätzliche Debatte über den zukunftsunfähigen Lebensstil in den reichen Ländern und Gesellschaftsschichten – und ist wohl auch so gewollt.“

Der sicher berechtigte Befund eines „zukunftsunfähigen Lebensstil in den reichen Ländern und Gesellschaftsschichten“ wird in der Nachhaltigkeits-Szene gerne mit dem Narrativ des „armen, ausgebeuteten Südens“ ergänzt, der damit in eine Opferrolle gedrängt wird und für seine Misere nicht oder fast nicht mitverantwortlich sei – dazu ein Zitat aus der Aussendung zum Welterschöpfungstag 2017[6]: „Besonders vom Overshoot betroffen sind die Länder des Südens, die meist am wenigsten dazu beitragen. Ihnen fehlen die finanziellen Mittel, um die fehlenden Ressourcen und Naturleistungen zukaufen zu können. „Unsere Freiheit, einen ressourcenintensiven Lebensstil auf Kosten des Planeten zu wählen, endet dort, wo sie die Freiheit anderer Erdenbürger beschneidet, ein menschenwürdiges Leben zu leben – oder überhaupt zu überleben!“ sollte die goldene Regel global neu formuliert werden.“

Könnte man aber nicht dem Stehsatz „Unser Lebensstil geht sich nicht aus.“ mit mindestens genau so großer Berechtigung die Aussage „Euer Reproduktionsstil geht sich nicht aus.“ hinzufügen? Meine grundlegende These dazu ist, dass in jenen Ländern, die von hohen Geburtenraten und hohem Bevölkerungswachstum geprägt sind, diese Phänomene deren größtes strukturelles Problem sind und es dort keine Aussicht auf eine spürbare Verbesserung der Verhältnisse gibt, solange sich das nicht ändert. Die sogenannten „Armen“ sind eben nicht nur arme, hilflose Opfer, sie sind genauso Mittäter – auch wenn sie sich dessen möglicherweise nicht bewusst sind.

Nähern wir uns dem vielschichtigen Thema der Bevölkerungsentwicklung mit einer kurzen Übersicht der Faktenlage. Während mehr als 99 Prozent der Menschheitsgeschichte wuchs die Größe der menschlichen Bevölkerung zwar, aber sie wuchs vergleichsweise sehr langsam. In vormodernen agrarischen Gesellschaften standen hohen Geburtenraten hohe Sterberaten gegenüber. Von den zahlreichen Kindern, die im Schnitt eine Frau gebar, erreichten nur wenige das Erwachsenenalter, die Lebenserwartung war insgesamt deutlich niedriger. Das war bis weit ins 18. Jahrhundert so. Erst im 19. Jahrhundert, und dann noch ausgeprägter im 20. Jahrhundert begannen sich die Verhältnisse deutlich zu verändern und es erfolgte ein „Take-Off“ der Weltbevölkerung mit bislang ungekannten Zuwächsen. Ein Zustand, der, wenn auch leicht gebremst, noch immer andauert.

Es dauerte fast die ganze Menschheitsgeschichte, nämlich bis ins Jahr 1804, bis die Weltbevölkerung auf eine Milliarde Menschen anwuchs. Für die zweite Milliarde brauchte es dann nur mehr etwas mehr als ein Jahrhundert, 1927 wurde dieser Wert erreicht. Danach ging es Schlag auf Schlag, der Zeitraum bis zur nächsten Milliarde wurde immer kürzer[7]:

1960 (nach 33 Jahren): 3 Milliarden

1974 (nach 14 Jahren): 4 Milliarden 

1987 (nach 13 Jahren): 5 Milliarden

1999 (nach 12 Jahren): 6 Milliarden

2011 (nach 12 Jahren): 7 Milliarden

2022 (nach 11 Jahren): 8 Milliarden.

Seit dem Erreichen der 7 Milliarden-Marke im Jahr 2011 betrug das Wachstum der Weltbevölkerung pro Jahr etwa 90 Millionen Menschen. Um sich diese Zahl vorstellen zu können, hilft es, sie in Beziehung zu bekannten Größen zu setzen: Das jährliche Wachstum der Weltbevölkerung entspricht etwa 10-mal der Bevölkerungszahl Österreichs (9,2 Mio. Einwohner) oder einmal der Deutschlands (84,7 Mio. Einwohner). Salopp formuliert, werden also pro Jahr zehn Österreichs oder ein Deutschland zur Welt hinzugefügt, zumindest auf die Bevölkerungszahl bezogen.

Das Wachstum der Bevölkerung findet hauptsächlich in Entwicklungs- und Schwellenländern statt: in Teilen Südostasiens (Indien, Pakistan, Bangladesch, Indonesien), in der gesamten arabisch-muslimischen Welt (Naher Osten, Nordafrika) sowie in Subsahara-Afrika. In weiten Teilen der übrigen Welt (Europa, Nordamerika, Russland, China, Australien, die entwickelteren Länder Asiens) findet nur mehr ein sehr gedämpftes Wachstum der Bevölkerung statt, in einigen Ländern schrumpft die Bevölkerung bereits (beispielsweise in Japan oder in vielen Staaten des ehemaligen Ostblocks). Dort, wo in den reicheren Teilen der Welt die Bevölkerung noch wächst, ist das vor allem der Zuwanderung geschuldet.

Wie könnte es nun weitergehen mit der Entwicklung der Weltbevölkerung? Wird das Wachstum zu einem Ende kommen und wenn ja, wann? Die Welt befindet sich auch diesbezüglich in einem Prozess eines starken Wandels. In den letzten Jahrzehnten sind in vielen Ländern die Geburtenraten rasch und deutlich gesunken. In weiten Teilen der Welt sind die Geburtenraten bereits unter das „population replacement level“[8] von 2,1 Kindern pro Frau gefallen. Das ist jenes Niveau, das eine langfristig stabile Bevökerungszahl garantiert – beziehungsweise beginnt die Bevölkerung zu schrumpfen, wenn dieses Niveau längere Zeit unterschritten wird, es sei denn, die Schrumpfung wird durch Zuwanderung ausgeglichen.

Eine Analyse der im CIA Factbook 2016 veröffentlichten Daten zu Fertilitätsraten[9] zeigt, dass in 102 Ländern die Fertilitätsrate über 2,1 lag, während diese in 99 Ländern unter 2,1 lag[10]. Der Weltdurchschnitt lag 2016 bei 2,41 Geburten pro Frau. Ein Blick auf die Top 50 (d.h. die 50 Länder mit den höchsten Fertilitätsraten) zeigt rasch, wo die größten Problemzonen eines ausufernden Bevölkerungswachstums liegen: in Subsahara-Afrika und in weiten Teilen der muslimischen Welt, wobei es hier eine Schnittmenge gibt (ein Teil der Länder in Subsahara-Afrika hat eine muslimische Bevölkerungsmehrheit und einige Länder sind diesbezüglich an der Kippe, das heißt, hier sind Muslime daran oder knapp davor, die Bevölkerungsmehrheit zu erreichen).

Unter diesen Top 50 Ländern liegen 41 Länder in Subsahara-Afrika, 6 Länder in der muslimischen Welt außerhalb Sübsahara-Afrikas (Afghanistan, Irak, Palästina, Jemen, Ägypten, Jordanien), nur drei Länder sind nicht diesen Regionen zuzuordnen (es handelt sich dabei um die relativ kleinen Inselstaaten Osttimor, Salomonen und Tonga, welche in Summe von weniger als 2 Mio. Menschen bewohnt werden). Angeführt wird diese Rangliste von Niger (liegt in Subsahara-Afrika und ist muslimisch dominiert) mit einer Fertilitätsrate von 6,62, am anderen Ende der Skala liegt Singapur mit einer Fertilitätsrate von 0,82.

Es gibt Länder, in denen bereits ein sehr rascher demographischer Übergang[11] stattgefunden hat, in anderen Ländern hingegen geht dieser Prozess nur sehr langsam und zäh vonstatten. So lag beispielsweise in Taiwan Anfang der 1950er-Jahre die Fertilitätsrate noch bei 6,72 und ist mittlerweile auf 1,11 gefallen. In Afghanistan hingegen ist dieser Wert von 7,45 Anfang der 1950er-Jahre erst auf 5,26 gefallen und damit nach wie vor auf einem sehr hohen Niveau[12].

Ist es einer zufälligen Koinzidenz geschuldet, dass viele permanente Krisenherde wie Afghanistan, Irak, Jemen oder Palästina auch gleichzeitig Länder mit sehr hohen Geburtsraten und hohem Bevölkerungswachstum sind? Ich denke (und bin damit nicht der einzige), dass hier sehr wohl ein Zusammenhang besteht. In all diesen Ländern gibt es eine sehr große junge Bevölkerung mit geringen Perspektiven (einen sogenannten „youth bulge“[13]), welche für Fundamentalismen aller Art leicht anfällig ist und sich vermutlich auch für beliebige Milizen leicht rekrutieren lässt. Der Teufelskreis der Unterentwicklung und Perspektivlosigkeit wird durch eine nach wie vor hohe Geburtenrate ständig befeuert.

Die Population Division im Department of Economic and Social Affairs der United Nations (UN) veröffentlicht regelmäßig Szenarien über die zukünftige Entwicklung der Weltbevölkerung, zuletzt die „World Population Prospects 2019“[14]. Diesen Szenarien, welche bis zum Jahr 2100 reichen, liegen regional und nach Ländern differenzierte Annahmen über Fertilitätsraten, Lebenserwartung und Wanderungsbewegungen zugrunde. Die mittlere Variante der UN-Szenarien kommt zum Ergebnis, dass bis zum Jahr 2100 die Weltbevölkerung auf 10,9 Milliarden Menschen anwachsen könnte[15].

Die Hot-Spots der Bevölkerungszunahme liegen in den Regionen Sub-Sahara Afrika, Nordafrika und Westasien, Zentral- und Südasien. In vielen anderen Regionen (Europa, östliches und südöstliches Asien) sinkt die Bevölkerung oder erreicht nach einem temporären weiteren Wachstum im Jahr 2100 wieder in etwa das momentane Niveau (wie in Lateinamerika). Die einzigen Regionen, die den OECD-Ländern zugeordnet sind und für die ein nennenswertes Bevölkerungswachstum prognostiziert wird, sind Nordamerika (USA, Kanada) und Australien. Hier ist aber das Wachstum in erster Linie der Zuwanderung geschuldet[16]. Indien überholt China bereits 2030 oder früher und wird dann das bevölkerungsreichste Land der Welt. Aber auch in Indien findet gemäß dem mittleren UN-Szenario ein merkbarer demographischer Übergang statt, die Bevölkerungszahl erreicht um 2060 einen Höhepunkt und sinkt bis 2100 wieder auf das Niveau von etwa 2025[17].

Neben der Beschreibung des mittleren Szenarios gibt die Population Division der UN auch eine Bandbreite der zukünftigen Bevölkerungs dentwicklung an. Gemäß den Annahmen der UN wird die Weltbevölkerung im Jahr 2100 mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 Prozent zwischen 9,4 Mrd. Menschen („unteres Szenario“) und 12,7 Mrd. Menschen („oberes Szenario“) liegen. Während im oberen Szenario das Wachstum der Weltbevölkerung nur mäßig gedämpft voranschreitet, ist im unteren Szenario bereits eine Trendumkehr zu beobachten: In diesem Szenario erreicht die Weltbevölkerung etwa 2070 ein Maximum bei 9,74 Mrd. Menschen und beginnt von da an zu schrumpfen, um 2100 einen Wert von 9,42 Mrd. Menschen zu erreichen.

Besonders dramatisch ist in allen UN-Szenarien die Bevölkerungs-zunahme in Subsahara-Afrika. Selbst im unteren UN-Szenario verdrei-facht sich dort in etwa die Bevölkerung bis 2100 (von 1,07 Mrd. auf 2,97 Mrd. Menschen). Im mittleren Szenario erreicht die Bevölkerung Subsahara-Afrikas im Jahr 2100 eine Größe von 3,78 Mrd. Menschen, im oberen Szenario gar 4,78 Mrd. Menschen. Zum Vergleich: Im Jahr 1974 betrug die Größe der gesamten Weltbevölkerung 4 Mrd. Menschen.

Eine Verdrei- oder Vervierfachung der Bevölkerung in Subsahara-Afrika bis 2100 würde ich schlicht als katastrophal bezeichnen, dieser Umstand ist für mich nur als schier endloses humanitäres Desaster vorstellbar. Hinzu kommen noch die Auswirkungen des Klimawandels, die mit großer Wahrscheinlichkeit große Teile Afrikas besonders stark treffen werden. In diese humanitäre Katastrophe, die uns hier bevorsteht, wird aber auch Europa unweigerlich mithineingezogen (die nicht enden wollenden Berichte über Bootsflüchtlinge können als Vorboten dessen gesehen werden). Der Migrationsdruck auf Europa wird enorm, und die Frage ist, ob ein alterndes und ideologisch schwer gespaltenes Europa darauf in irgendeiner Weise adäquat reagieren kann oder einfach in den Strudel der Ereignisse hineingesogen wird.

Die Region, für die das zweitgrößte Bevölkerungswachstum prognostiziert wird, ist Nordafrika und Westasien. Diese Region ist weitgehend ident mit der arabisch-muslimischen Welt, reichend von Marokko im Nordwesten Afrikas bis zum Irak als östlichstem Staat dieser Region. Bis auf vier kleinere Länder (Armenien, Zypern, Georgien, Israel) sind alle Länder dieser Region mehrheitlich von Muslimen bewohnt. Im mittleren UN-Szenario wächst die Bevölkerung in dieser Region von 517 Mio. (2019) auf 928 Mio. Menschen im Jahr 2100. Dieses Wachstum von etwa 80 Prozent ist insofern als dramatisch zu werten, als diese Region ohnehin von Krisen, Kriegen und Instabilitäten gezeichnet ist, und ein weiteres Bevölkerungswachstum sicher nicht zur Entspannung der Lage beiträgt. Auch von dieser Region geht ein starker Migrationsdruck auf Europa aus.

Zentral- und Südasien ist die Region, für die der drittgrößte Bevölkerungszuwachs prognostiziert wird. Diese Region wird von Indien bevölkerungsmäßig dominiert (2019 lebten mit 1,36 Mrd. Menschen 69 Prozent aller Einwohner dieser Region in Indien). Ansonsten besteht diese 14 Länder umfassende Region überwiegend aus muslimischen Ländern (u.a. Pakistan, Bangladesch, Iran, Afghanistan), auch in Indien leben 195 Mio. Muslime[18] und stellen somit eine bedeutende Minderheit dar. Im mittleren UN-Szenario wird in dieser Region etwa 2060 das Bevölkerungsmaximum erreicht und 2100 sinkt die Bevölkerungszahl wieder auf den Wert von etwa 2035. Dies unterscheidet diese Region von den beiden anderen oben erwähnten Regionen - diese erreichen (zumindest gemäß dem mittleren UN-Szenario) kein Bevölkerungsmaximum vor dem Jahr 2100.

 

Es gibt auch Kritik an den UN-Szenarien zur globalen Bevölkerungsentwicklung. Diese würden von zu hohen Fertilitätsraten ausgehen und die Dynamik eines durch Urbanisierung getriebenen veränderten Reproduktionsverhaltens unterschätzen. Diese These wird beispielsweise in dem 2019 erschienenen Buch „Empty Planet. The Shock of Global Population Decline“ von den Kanadiern Darrell Bricker und John Ibbitson vertreten[19]. Ihre Prognose besagt, dass die Weltbevölkerung um die Mitte dieses Jahrhunderts ihr Maximum erreichen wird (bei einem Wert zwischen 8 und 9 Mrd. Menschen) und danach bis zum Ende des 21. Jahrhunderts wieder auf in etwa das derzeitige Niveau (oder eventuell auch etwas darunter, auf ca. 7 Mrd. Menschen) absinken wird[20].

Eine Schlüsselrolle für diese Entwicklung spielt die Urbanisierung, die stets und auch in Entwicklungsländern immer mehr voranschreitet. Bricker und Ibbitson benennen vier Veränderungen, die mit der Urbanisierung in Entwicklungsländern einhergehen und zu einem raschen Sinken der Fertilitätsraten führen können: Kinder werden von nützlichen Arbeitskräften in der Landwirtschaft zu einer finanziellen Belastung in der Stadt; das Bildungsangebot und insbesondere das Bildungsniveau von Frauen steigt; der Einfluss von Religionen (die oft explizit oder implizit kinderreiche Familien befürworten und fördern) sinkt; der Einfluss von Familienclans (die ebenfalls Druck in Richtung früher Verheiratung und hoher Kinderzahlen ausüben können) sinkt[21].

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt Jorgen Randers, der im Jahr 2012 mit seinem Buch „2052“ eine globale Prognose für die nächsten 40 Jahre (von 2012 bis 2052) vorgelegt hat[22]. Wie Bricker und Ibbitson geht auch er davon aus, dass rasch fortschreitende Urbanisierung und ein damit einhergehendes höheres Bildungsniveau von Frauen zu einem raschen Absinken der Geburtenraten weltweit führen wird. Gemäß Randers wäre dann bereits um das Jahr 2040 ein globales Bevölkerungsmaximum bei 8,1 Mrd. Menschen erreicht und 2075 würde die Weltbevölkerung wieder auf eine Zahl von 7 Mrd. Menschen abgesunken sein[23]. Die Prognose von Randers ist aber nach heutigem Stand bereits als überholt zu werten. So geht er für das Jahr 2025 von einer Bevölkerungszahl von 7,74 Mrd. Menschen[24] aus – ein Wert, der aber bereits 2020 überschritten wurde.

Wer wird nun Recht behalten? Die Population Division der UN mit ihren eher konservativen Annahmen, was die Entwicklung der Fertilitätsraten betrifft, oder Kritiker dieser Annahmen wie Bricker, Ibbitson und Randers? Wie die bisherigen Ausführungen zeigen, hängt es vor allem von den Entwicklungen in Subsahara-Afrika und der muslimischen Welt ab (wobei es hier – wie ebenfalls bereits erwähnt – eine nennenswerte Schnittmenge gibt), wie lange das Wachstum der Weltbevölkerung noch andauern oder ob es bereits in wenigen Jahrzehnten zu einem Ende kommen wird. Wie schnell wird sich der demographische Wandel in den Problemregionen vollziehen? Werden sich die dort lebenden Bevölkerungsgruppen den global sonst vorherrschenden Trends, was das Reproduktionsverhalten betrifft, relativ rasch anpassen, oder werden sie „jetzt erst recht“ in einer religiös und kulturell motivierten Verstocktheit in ihren vormodernen Reproduktionsmustern verharren?

Es könnte also durchaus sein, dass Autoren wie Bricker, Ibbitson oder Randers den irrationalen Einfluss religiös-konservativer oder gar fundamentalistischer Werthaltungen unterschätzen. Beispielsweise mag die Aussage von Bricker und Ibbitson, dass sich Migranten in ihrem Reproduktionsverhalten an die Gesellschaft anpassen, in die sie eingewandert sind, für jene wohl ausgewählten Migranten, die Kanada ins Land holt (welche in der Regel auch ein höheres Bildungsniveau als die restliche Bevölkerung aufweisen), stimmen. Für die nach Europa eingewanderten Muslime stimmt sie aber zum Großteil nicht – im Schnitt liegt deren Fertilitätsrate um ein Kind pro Frau höher als in der restlichen Bevölkerung[25].  

Eines ist auf jeden Fall klar – von einem leeren Planeten, einem „empty planet“, kann noch lange keine Rede sein. Selbst im Szenario von Bricker und Ibbitson wird das 21. Jahrhundert jenes sein, das mit Abstand mit dem „vollsten Planeten“, den es jemals in der Menschheitsgeschichte gab, einhergeht. Der Titel „Empty Planet“ ist wohl bewußt reißerisch und somit auch irreführend gewählt, und verleitet relativ ahnungslose Journalisten dazu, gleich die große Entwarnung auszurufen[26].

 

Literatur

Bricker Darrell, Ibbitson John (2019): Empty Planet: The Shock of Global Population Decline, Verlag Robinson

Pew Research Center (2017): Europe's Growing Muslim Population, https://www.pewforum.org/wp-content/uploads/sites/7/2017/11/FULL-REPORT-FOR-WEB-POSTING.pdf (abgerufen am 26.12.2020)

Randers Jorgen (2012): 2052. Der neue Bericht an den Club of Rome: Eine globale Prognose für die nächsten 40 Jahre, Oekom Verlag, München 

United Nations, Department of Economic and Social Affairs, Population Division (2019a): World Population Prospects 2019. Highlights, https://population.un.org/wpp/Publications/Files/WPP2019_Highlights.pdf (abgerufen am 26.12.2020)

United Nations, Department of Economic and Social Affairs, Population Division (2019b): World Population Prospects 2019. Volume I: Compre-hensive Tables, https://population.un.org/wpp/Publications/Files/WPP2019_Volume-I_Comprehensive-Tables.pdf (abgerufen am 26.12.2020)



[1] https://www.zitate-online.de/sprueche/historische-personen/818/die-welt-hat-genug-fuer-jedermanns-beduerfnisse.html (abgerufen am 1.2.2021)

[2] „Jährlicher Stand der Weltbevölkerung 1950 bis 2100“, http://pdwb.de/nd02.htm (abgerufen am 2.2.2021)

[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Weltbevölkerung (abgerufen am 26.12.2020) 

[4] „Die Geschichte der Mobiltelefone“, https://www.wissen.de/die-geschichte-der-mobiltelefone (abgerufen am 23.11.2019); Wikipedia Artikel zu „Mobira Cityman 900“, https://en.wikipedia.org/wiki/Mobira_Cityman_900 (abgerufen am 23.11.2019) 

[5] E-Mail Aussendung vom 10.7.2018

[6] Gemeinsame Presseaussendung von Plattform Footprint, WWF und Global 2000 zum Welterschöpfungstag am 2. August 2017.

[7] https://de.wikipedia.org/wiki/Weltbevölkerung (abgerufen am 2.3.2025)

[8] deutsch: „Ersatzniveau der Fertilität“

[9] Definition Fertilitätsrate: „Die zusammengefasste Fruchtbarkeitsziffer bzw. Fertilitätsrate ist ein in der Demografie verwendetes Maß, das angibt, wie viele Kinder eine Frau durchschnittlich im Laufe des Lebens hätte, wenn die zu einem einheitlichen Zeitpunkt ermittelten altersspezifischen Fruchtbarkeitsziffern für den gesamten Zeitraum ihrer fruchtbaren Lebensphase gelten würden. Sie wird ermittelt, indem die altersspezifischen Fruchtbarkeitsziffern summiert und durch 1000 geteilt werden.“; Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Gesamtfertilitätsrate (abgerufen am 3.2.2021).

[10] https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Länder_nach_Geburtenrate (abgerufen am 8.12.2019)

[11] „Der Begriff demografischer Übergang (englisch demographic transition) oder demografische Transformation beschreibt in der Demografie einen typischen Verlauf der Bevölkerungsentwicklung von Staaten bzw. Gesellschaften in mehreren Phasen. Dabei sinkt zuerst die Sterberate und dann zeitlich versetzt die Geburtenrate.“; Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Demografischer_Übergang (abgerufen am 3.2.2021)

[12] https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Länder_nach_Geburtenrate (abgerufen am 8.12.2019)

[13] https://de.wikipedia.org/wiki/Youth_Bulge (abgerufen am 8.12.2019)

[14] United Nations, Department of Economic and Social Affairs, Population Division (2019a)

[15] ebd., S. 5

[16] United Nations, Department of Economic and Social Affairs, Population Division (2019b), S. 29, 33. Sofern nicht anders vermerkt, stammen die Zahlen zu den UN-Szenarien im Folgenden aus dieser Quelle.

[17] ebd., S. 27

[18] https://en.wikipedia.org/wiki/Islam_by_country (abgerufen am 15.12.2019)

[19] Bricker/Ibbitson (2019)

[20] „Driving Impact in a Changing World: Empty Planet, The Shock of Global Population Decline“; https://www.youtube.com/watch?v=0XZhTLH857c (abgerufen am 26.12.2020)

[21] „Urbanization plays an important role in shifting population rates — Darrell Bricker & John Ibbitson“, https://www.youtube.com/watch?v=k5PzUzp-o10 (abgerufen am 26.12.2020)

[22] Randers (2012)

[23] ebd., S. 89

[24] Siehe: http://www.2052.info/data/ (abgerufen am 22.12.2019); hier kann eine Excel-Spreadsheet Datei mit den Berechungsannahmen und -ergebnissen des Szenarios von Randers heruntergeladen werden.

[25] Pew Research Center (2017), S. 5

[26] Zum Beispiel mit der Schlagzeile „Es ist noch viel Platz auf unserem Planeten“, von Michael Zöller, Frankfurter Allgemeine, vom 5.8.2019; https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/empty-planet-so-entwickelt-sich-die-weltbevoelkerung-16317846.html (abgerufen am 22.12.2019)

Samstag, 1. März 2025

Gibt es eine "optimale" Bevölkerungsgröße?

Ernst Schriefl

Der Text stammt aus meinem Buch „Öko-Bilanz. Ein Versuch einer nüchternen Bestandsaufnahme“ (Books on Demand) und bildet den Abschluss des Kapitels „Bevölkerung - das Wachstum geht weiter. Genug für die Bedürfnisse aller?“.

 

Mit einem bemerkenswerten Gedankenexperiment hat sich Alan Weisman in seinem bemerkens- und empfehlenswerten Buch „Countdown: Hat die Erde eine Zukunft?“ beschäftigt[1]: Was wäre, wenn in allen Ländern weltweit ab sofort eine Ein-Kind-Politik verfolgt würde? Er beauftragte mit der Beantwortung dieser Frage das renommierte Vienna Institute of Demography (der Österreichischen Akademie der Wissenschaften zugeordnet). Die Antwort auf Weismans Frage lautete, dass (unter der von Weisman vorgeschlagenen Bedingung) die Weltbevölkerung bis zum Jahr 2100 auf den Wert von 1,6 Mrd. Menschen abfallen würde[2].

Eine Weltbevölkerung von 1,6 Milliarden Menschen – das könnte im Bereich einer „optimalen“ Populationsgröße der Spezies Homo sapiens auf unserem Heimatplaneten liegen. Mit der Frage einer optimalen Bevölkerungsgröße haben sich in einem 1994 erschienenen Diskussions-beitrag Gretchen Daily und Anne und Paul Ehrlich beschäftigt[3] – und sie kamen zum Schluss, dass ein optimaler Bereich für die Größe der Weltbevölkerung zwischen 1,5 und 2 Mrd. Menschen liegen könnte.

Wie kamen sie zu dieser Schlussfolgerung? Ausgangspunkt war der weltweite Energieverbrauch Anfang der 1990er-Jahre, welcher 13 Terawatt betrug, und die Annahme, dass dieser bereits damals ein nachhaltiges Niveau überschritten habe. (Genau genommen bezieht sich die Einheit Terawatt im physikalischen Sinn auf Leistung und nicht auf Energie(verbrauch)[4]). Der nächste Schritt bestand in der Abschätzung eines ökologisch nachhaltigen Niveaus des weltweiten Energieverbrauchs, den die Autoren zunächst mit 9 Terawatt und dann unter Einbeziehung einer Sicherheitsmarge schließlich mit 6 Terawatt annahmen. Dann wurde ein vertretbares Energieverbrauchsniveau pro Kopf gesucht – dieses lag Anfang der 1990er-Jahre bei 12 Kilowatt in den USA und bei etwa einem Kilowatt in ärmeren Ländern. Unter der Annahme, dass den Bewohnern ärmerer Länder noch etwas Verbrauchssteigerung zugestanden wird und die Bewohner reicherer Länder durch Effizienz- und Suffizienz-Maßnahmen den Verbrauch reduzieren müssten, wurde dieser Pro-Kopf Energieverbrauch zunächst mit 3 Kilowatt festgelegt. Die Division des weltweit ökologisch vertretbaren Energieverbrauchsniveaus (6 Terawatt) durch das zugestandene Energieverbrauchsniveau pro Kopf (3 Kilowatt) ergibt eine Bevölkerungsgröße von 2 Milliarden Menschen. Wäre man etwas großzügiger und würde jedem Erdenbewohner einen Energieverbrauch von 4 Kilowatt zugestehen, würde das eine Bevölkerungsgröße von 1,5 Milliarden Menschen ergeben.

Auch wenn man den ökologischen Fußabdruck als Bezugsgröße heranzieht, kann man mit einfachen Berechnungen und Abschätzungen auf ein ähnliches Niveau einer optimalen beziehungsweise ökologisch und sozial vertretbaren Bevölkerungsgröße kommen. Gehen wir zu diesem Zweck vom momentanen Status aus, wie er in der Presseaussendung anläßlich des Welterschöpfungstags 2019 (am 29. Juli 2019) beschrieben wurde[5]:

„Insgesamt bietet die Erde etwa 12,2 Milliarden Hektar bioproduktiver Fläche. Der rechnerische Anteil für jede Person beträgt demnach etwa 1,7 Globale Hektar (gha). Der/die durchschnittliche ÖsterreicherIn beansprucht dem gegenüber derzeit etwa 6,0 gha. Würden alle ErdenbürgerInnen auf ähnlich großem Fuß leben wie wir in Österreich, wären über drei Planeten nötig, beim US-amerikanischen Lebensstil fast fünf.“

Nun gehen wir methodisch ähnlich vor wie oben beschrieben. Wieviel bioproduktive Fläche wollen wir der Menschheit zugestehen? Unter der Annahme, dass auch für die nicht vom Menschen genutzte und beeinflusste Natur, die wir auch als Wildnis bezeichnen könnten, Platz sein soll, könnten wir die für die Menschen zur Verfügung stehende bioproduktive Fläche mit 8 Milliarden Hektar festlegen.

Wie hoch darf oder soll nun der ökologische Fußabdruck pro Kopf sein? Wieder unter der Annahme, dass dieser höher sein darf als in den ärmeren Ländern, aber niedriger sein soll als in den reicheren Ländern, könnten wir ihn mit 4 Globalen Hektar festlegen (das wäre mehr als 30 Prozent unter dem momentanen österreichischen Niveau und mehr als 50 Prozent unter dem US-amerikanischen Niveau). Eine Division der maximal verfügbaren biopoduktiven Fläche durch die bioproduktive Fläche pro Kopf ergibt unter diesen Annahmen eine optimale / vertretbare Bevölkerungsgröße von 2 Milliarden Menschen. Wollten wir der Wildnis mehr Platz einräumen und die der Menschheit zur Verfügung stehende bioproduktive Fläche mit 6 Milliarden Hektar beschränken, wären wir bei einer Bevölkerungsgröße von 1,5 Milliarden Menschen.

Die Aussage „Würden alle so leben wir wir, bräuchten wir drei Erden“ könnte man also auch umdrehen: „Würde die Zahl der Erdbewohner auf ein Drittel des heutigen Niveaus schrumpfen, dann würde sich unser Lebensstil ja ausgehen, dann könnten alle so leben wie wir. Und wäre die Weltbevölkerung auf ein Viertel geschrumpft, dann könnte sogar noch etwas Regenerationsraum für die nicht vom Menschen unmittelbar genutzte Natur übrigbleiben und wir könnten trotzdem unseren Lebensstil beibehalten.“ Das soll nicht bedeuten, dass wir nicht versuchen sollten, unseren ökologischen Fußabdruck durch technische Maßnahmen und Verhaltensänderungen zu senken, aber es zeigt, dass auch eine andere Perspektive möglich ist.

Wie hoch nun tatsächlich eine „optimale“ Bevölkerungszahl ist, darüber mag man trefflich streiten. Außer Streit dürfte aber stehen, dass sich alle ökologischen Parameter bei einem Schrumpfen der Bevölkerung ins Positive ändern würden (es sei denn, es würde mit dem Schrumpfen der Bevölkerung das Verbrauchsniveau pro Kopf überproportional steigen – eine Stagnation oder Begrenzung des Steigens von Verbrauchsniveaus wäre aber durch politische Maßnahmen sicher leichter durchsetzbar als ein Schrumpfen der Verbrauchsniveaus).

Zusammenfassend möchte ich zum Thema Bevölkerung festhalten:

Wenn wir tatsächlich die nach wie vor dominierenden Trends der Nicht-Nachhaltigkeit umdrehen wollen, dann geht das nur oder zumindest ungleich leichter bei einer schrumpfenden Weltbevölkerung, die sich etwa auf einen optimalen (beziehungsweise ökologisch und sozial vertretbaren) Wert zwischen ein und zwei Milliarden Menschen einpendeln könnte.

Zurückkommend auf den Untertitel des Buchs „Empty Planet“ –  „The Shock of Global Population Decline“: Nein, ein globaler Bevölkerungsrückgang ist kein Schock – im Gegenteil, er wäre höchst heilsam. Es würden Flächen frei, auf denen sich „die Natur“, die Ökosphäre wieder regenerieren könnte. Es müsste nicht auf Teufel komm raus Höchstleistungslandwirtschaft betrieben werden – diese hat nämlich nicht, wie das in einer vereinfachten Sicht gerne behauptet wird, mit der Gier der Landwirte oder der bösen Agrarkonzerne zu tun, sondern schlicht und ergreifend mit der Notwendigkeit, eine wachsende Zahl an Menschen zu versorgen, von denen zudem mehr und mehr in die globale Mittelschicht aufsteigen, was in der Regel mit einer Änderung der Ernährungsgewohnheiten in Richtung mehr Konsum von tierischen Produkten einhergeht.

Es gäbe Platz für Aufforstungen, um der Atmosphäre CO2 zu entziehen – dies wäre angesichts einer schon jetzt zu hohen atmosphärischen CO2-Konzentration höchst dringend. Fossile Rohstoffe könnten leichter durch biogene ersetzt werden (Stichwort Bio-Ökonomie), ohne dadurch den Druck auf die Ökosphäre zu erhöhen. Es wäre deutlich leichter, allen Menschen ein menschenwürdiges Leben und damit auch ein Mindestmaß an materiellem Wohlstand zu bieten. Es müsste nicht mehr auf Teufel komm raus ständig neuer Wohnraum geschaffen werden, mit der Zeit wäre ein Überangebot an Wohnraum vorhanden und Wohnungen wären günstig verfügbar. Man hätte das Gefühl, wieder mehr Platz zu haben, der Dichtestress in den Städten würde zurückgehen. Kriege und Konflikte um Ressourcen würden zurückgehen.

Und … man mag sich noch weitere positive Wirkungen einer schrumpfenden Bevölkerung ausdenken.

Natürlich ist mit dem Schrumpfen der Weltbevölkerung letztlich auch ein Schrumpfen der Wirtschaft verbunden. Es sei denn, der Bevölkerungsrückgang würde durch ein materielles Wachstum pro Kopf kompensiert, was zumindest in ärmeren Regionen sogar erwünscht ist, aber aus ökologischen Gründen auch nur begrenzt möglich und sinnvoll ist. Aber – wie auch immer das wirklich gehen könnte – von einer zwanghaft wachsenden Wirtschaft müssen wir ohnehin wegkommen, wollen wir noch längerfristig auf diesem Planeten bleiben.


Literatur

Daily Gretchen C., Ehrlich Anne H., Ehrlich Paul R. (1994): Optimum human population size. Population and Environment, Volume 15, No. 6, S. 469–475, https://mahb.stanford.edu/wp-content/uploads/2018/03/1994_DailyGCEhrlichs-Optimum-Population.pdf (abgerufen am 1.3.2025)

Weisman Alan (2014): Countdown: Hat die Erde eine Zukunft?, Piper Taschenbuch (Originalausgabe: Weisman Alan (2013): Countdown: Our Last Best Hope for a Future on Earth?, Little, Brown and Company, New York)



[1] Weisman (2014)

[2] Das Buch „Countdown“ erschien im Original 2013 (deutsche Übersetzung 2014; siehe Weisman (2014)) und Alan Weisman hat diese Frage vermutlich 2012 gestellt. Wenn erst ab jetzt (2021) mit einer globalen Ein-Kind-Politik begonnen würde, wäre die Weltbevölkerung im Jahr 2100 bereits entsprechend höher bzw. würde der Wert von 1,6 Mrd. Menschen erst einige Jahre später erreicht werden. Siehe auch: Alan Weisman "Countdown", https://www.youtube.com/watch?v=VPUPcEyzUW4 (abgerufen am 26.12.2020)

[3] Daily et al. (1994); siehe auch News Release der Stanford University vom 11.7.1994: „Optimum human population a third of present, scientists say“, https://news.stanford.edu/pr/94/940711Arc4189.html (abgerufen am 26.12.2020)

[4] Technisch gesehen steht die Einheit Terawatt (auch Kilowatt) nicht für Energie, sondern für Leistung. Leistung ist Energie pro Zeit, Energie ist Leistung mal Zeit. Ein Gerät mit einer Leistung von 1 Kilowatt (kW), welches konstant eine Stunde lang in Betrieb ist, verursacht in diesem Zeitraum einen Energieverbrauch von einer Kilowattstunde (kWh). Die erwähnten 13 Terawatt bedeuten eine durchschnittliche Leistung, bezogen auf den damaligen Welt-Energieverbrauch. Das grundsätzliche Argument bleibt aber von dieser nicht ganz präzisen Art der Darstellung unberührt.

[5] Presseaussendung der Plattform Footprint, WWF, GLOBAL 2000, Greenpeace vom 26.7.2019: „Die Erde am Limit: 29. Juli ist Welterschöpfungstag“

Freitag, 28. Februar 2025

The return to human scale: Industrial disarmament!

Bruno Kern

The potential of renewable energies and efficiency technologies is generally limited and cannot maintain the current level of consumption. In the future, we will have to cope with much less net energy. The restructuring of the economy in the rich industrialized countries must therefore be accompanied by a consistent, solidary dismantling. Consistent regulatory measures can initiate this inevitable process of shrinkage. 


Dismantling instead of conversion

The talk of the ecological "restructuring" of industrial society has meanwhile become a commonplace across all political camps. It is assumed that we achieve the necessary reductions and ultimately CO2 neutrality solely by means of more efficient technical processes and that we can easily substitute the energy that has so far come from fossil sources with renewable energies. However, if you calculate seriously, you will come to the conclusion that a conversion must inevitably go hand in hand with dismantling, that we must drastically reduce the absolute consumption of energy and other resources. Actually, common sense tells you: Renewable energy sources have a much lower energy density than fossil fuels, they have a limited potential and their honestly calculated energy balance is rather sobering.

The endenergy consumption in Germany, which in addition to electricity (it currently accounts for only 20 %), includes room heating, transport, process energy, etc., currently amounts to 2,500 TWh per year. A study commissioned by the WWF has calculated that a potential of renewable energies could be exploited in Germany that provides little more than 700 TWh (WWF 2019, 9). After all, that would be significantly more than twice as much of the amount of electricity that comes from renewable sources today. Even if there are somewhat more optimistic estimations here and there, there is a large gap between our current energy consumption and what is theoretically available to us from domestic renewable sources. The conversion of the chemical industry at today's level to decarbonised processes alone requires an additional electricity demand of 685 TWh, significantly more than we generate today in total electricity (DECHEMA / FutureCamp 2019, 9), the conversion to green steel and the replacement of gas and oil heating systems with heat pumps mean a further additional electricity demand of at least 250 TWh, etc.

In the meantime, the oath of disclosure has long since been taken. Especially those who have persistently invoked the possibility of a one hundred percent supply of renewable energies in recent decades apparently assume that we will be dependent on natural gas for decades to come and will have to import huge amounts of hydrogen if we want to maintain our level of industrialization. The conversion of our steel production, fuel cells for ships, buses, trucks, aircraft, electricity storage, etc. requires quantities of hydrogen, which – as most scenarios assume – we will have to obtain about 80 % from other countries (Kreutzfeld 2022). However, even in countries with the most favourable conditions for solar and wind power, the corresponding potential is not unlimited, and in many cases there is a lack of freshwater as a resource indispensable for the production of green hydrogen in the very areas that are most interesting for Europe in this respect (North and West Africa)! Our greed for the "champagne of the energy transition" comes at the expense of the immediate living conditions of the people in the potential exporting countries. A new imperialism under green auspices and a dangerous global competition for hydrogen as a resource as well as for other non-renewable raw materials (lithium, cobalt, graphite, neodymium, etc.) that are indispensable for renewable energies and processes are already emerging.

 

Renewable does not mean inexhaustible

Not least under the pressure of the Ukraine war, the expansion of renewable energies is currently being pushed forward. However, this cannot change the fundamentally limited potential. In addition, the expansion of the corresponding plants together with the necessary infrastructure is initially associated with a considerable input of energy and resources and with corresponding emissions. In a situation in which the CO2 budget still available to us will be exhausted in just a few years, we are therefore dealing with a "material rebound" of considerable proportions precisely due to the accelerated expansion of renewable energies. The installation of a wind turbine alone, which meets today's standard (with a capacity of about 3.5 MW), consumes – in addition to rare earths such as neodymium for the generator – about 150 tons of steel and also requires a 2000-ton reinforced concrete base.

The public debate is currently suggesting that only bureaucratic obstacles need to be removed in order to advance the expansion of renewable energies. The fundamentally limited potential is obscured.[1]

Take photovoltaik, for example: it currently contributes about 9 % to the electric power supply and will continue to play a rather subordinate role in Germany in the future. It is the renewable form of energy that initially requires the largest material and energy input. In terms of kilowatt hour, the use of resources is more than sixty times as high as in a nuclear plant. The energy return time, i.e. the time from which a corresponding system generates net energy, i.e. the time by which it has generated the energy required for the plant itself (including grid integration, etc.), depends largely on the number of hours of sunshine per year. Many energy balances simply include 1800 hours of sunshine in the bill. In northern Germany, however, we are far from that and do not even reach half of it. There are reasonable doubts as to whether photovoltaics in regions such as northern Germany or Switzerland have a positive energy balance at all – if one calculates honestly. The currently politically demanded solar obligation on all roofs is therefore pure nonsense. Precisely because of the high energy input required, photovoltaic modules should be installed where they promise sufficient efficiency. [2]

With regard to the calculation of the EROEI (energy return on energy invested), i.e. the energy return time, it should be noted in principle: An honest balancing, which is usually avoided, would be the so called emergy concept, as proposed by Howard Oddum, for example. Emergy stands for embodied energy and means: Proportionally, when balancing a plant, the entire process that was required for its production including grid integration must be considered, i.e. in relation to photovoltaics, the construction of the factories that produce the excavators that shovel the sand from which the silicon is ultimately extracted should be taken into account proportionately. Because of the volatility of renewable energies, the necessary storage capacities would also have to be included in the balance sheet.

The most important and promising form of renewable energy for Germany is undoubtedly wind energy. Here, too, distance regulations and other bureaucratic obstacles determine the public debate. Two percent of our land area, according to the current political requirement, should be available for wind farms.  Again, you are lying to yourself: Apart from the fact that in view of very scarce land, in view of a larger land requirement for a (more extensive) organic farming, in view of the forests, peatlands (moors), etc. required as CO 2 sinks there is actually competition for use, one obscures the problem that it is not simply about areas, but about suitable locations! The efficiency of a wind turbine depends largely on the average wind speed at a particular location (six meters per second is actually the requirement). Gregor Czich (University of Kassel) already demonstrated in detail in 2004 that these areas are scarce. Of course, the best locations tended to be used first. A significant potential should be tapped through so-called repowering, i.e. by replacing old wind turbines with more powerful ones at locations already in use. The desperate search for further favorable locations for wind turbines today has the consequence that one accepts a considerable degree of destruction of nature, for example deforestation on a large scale – which is likely to worsen the CO 2 balance. The example of Baden-Württemberg is instructive here: there are no distance rules here and since 2011 a Green Prime Minister is in charge. In his first coalition agreement (at that time still with the SPD) the declaration of intent was included to cover 10 % of the electricity demand from domestic wind power. After landing at around 4.4 % ten years later, the current coalition agreement now provides for the opening of state forests. Deforestation on a large scale in the Swabian Alb and the Black Forest! This is what it looks like, the brave new world of renewable energies. 

The offshore potential is also fundamentally limited: it is difficult to go beyond a sea depth of more than 30 meters, and the problem of "shading" only allows for a certain expansion density. Studies related to Europe estimate the offshore potential at no more than 25 % of current electricity consumption, and globally it is estimated that there is around 5000 TWh of offshore potential. It should therefore come as no surprise that one of the most prominent climate scientists, who comes from a country with a lot of sea coastline (Great Britain), James Lovelock (who recently passed away at an age of 103!), has changed into a nuclear power advocate in view of these prospects. Gregor Czich, on the other hand, sees the solution in huge interconnected grids that encompass North Africa as well as the Caucasus, i.e. include about a third of the earth's land area. He hardly reflects the fact that the necessity of setting up redundant structures worsens the energy balance. Such fantastic blossoms result now from the desperation of those who honestly face the limitations of potential.

To be honest, one would also have to include in the energy balance the necessary storage capacities that ensure that electricity is available on demand, which is indispensable for an industrial society. The sheer scale of this task poses significant problems for us. Pumped storage power plants have a high degree of efficiency, but for which, however, the appropriate landscape conditions must be met. Of course, the fundamental question of how much landscape and nature destruction we want to accept for our energy supply is by no means trivial. So-called redox flow batteries (based on vanadium, which is currently mainly produced as a waste product in steel production, or lignin) are also very efficient, but require a lot of space. Due to the already existing grid connection, the installation[3] of these storage facilities at sites of decommissioned fossil power plants could be a sensible possibility. Compressed air storage systems are only suitable for short-term storage up to 48 hours, and hydrogen storage systems have a very poor efficiency (about 20 %).

The complete substitutability of fossil fuels by renewables is therefore illusory. We should be prepared for the fact that we will have to cope with considerably less net energy in the future. Even a certain increase in technical efficiency will not change this much.

 

Efficiency revolution?

Fred Luks has taken the promises of the efficiency revolution to absurdity with a simple calculation: If resource consumption in the industrialized nations is to fall by a factor of 10 by 2050 (which is largely consensus), and if at the same time a modest economic growth of 2 percent per year is to be assumed, then resource productivity (i.e. the amount of goods and services per unit of a certain resource used) would have to grow by a factor of 27!  Economic growth of 3 percent already requires 43 times the energy and resource efficiency (Luks 1997). Efficiency increases are simply subject to the law of deminishing returns, i.e. the more efficiency potentials have already been exhausted, the more difficult it becomes to achieve further efficiency increases. This is also confirmed by empiric data: In industrialized countries such as Germany or Japan, it can be observed that after impressive increases in energy efficiency (the ratio of energy input to gross national product) and at least a temporary relative decoupling of GDP growth from energy and resource throughput  from the mid-seventies, no further significant efficiency successes could be achieved. In Germany, stagnation has been observed since about 2000 (the special factor GDR, i.e. the liquidation of the very inefficient industrial plants in eastern Germany, is the reason why this effect is delayed compared to other industrialized countries), in Japan even since the beginning of the nineties (Minqi Li 2008, 161–162). The most accurate study worldwide is probably that of the two Canadians Lightfood and Green. They estimate the global efficiency potential from the reference year 1990 to the end of our century (i.e. by 2100!) at 250 to 330 percent (quoted in Minqi Li 2008, 162, among others), whereby such a global view has so far included highly inefficient regions. This is far away from the famous factor calculations of Ernst Ulrich von Weizsäcker. In order to avoid this sobering finding, the eco-capitalist optimists of purpose, such as him, always limit themselves to impressive individual examples in their bestsellers. According to Ted Trainer's judgment, even here 50 % is based on pure beliefs (Trainer 2007, 115–117).

There is therefore no way around it: an absolute decoupling of the economic growth required for the stability of the capitalist economy from energy and resource throughput is an illusion in view of this finding. Today's level of industrial production is incompatible with environmental sustainability. Dismantling must be initiated as quickly and consistently as possible. In my opinion, the most urgent task is to describe it in detail and to show how it should be designed in solidarity.

 

Industrial disarmament

Let's take a closer look at some fields:[4]

An ecological transition in transport and mobility is of the utmost importance in Germany. Traffic is currently responsible for about 20 % of carbon dioxide emissions and for a total energy consumption of about 750 TWh. Switching to alternative drives is of little help. E-fuels and hydrogen-based fuel cells have a very poor degree of efficiency. In the latter case, less than 20 % of the energy originally used is converted into kinetic energy after the required double conversion process. The necessary liquefaction and the transport contribute significantly to the poor energy balance.

The additional electricity demand for e-cars as an individual means of mass transport cannot be covered from renewable sources, especially when one considers that carbon dioxide neutrality in other areas requires a considerable additional electricity demand – for example, if the oil and gas heating systems are replaced by heat pumps.

In addition, however, automobile production must already be included in the overall balance!  48 % of the very energy-intensive aluminium produced in the production process (one tonne consumes 14 MWh of electricity!), 26 % of the steel and 12 % of the plastics currently flow into German automobile production. The upstream equipment industries, the production of corresponding production machines, robots, etc., are not even taken into account. The electric car exacerbates this problem: the heavy battery, the generation of which itself is already associated with considerable CO2-emissions[5] (according to a VDI study 17 tons, by technical improvements this is to be reduced in the EU to 12 tons by 2030), must be reduced by more lightweight construction (more aluminum, more  carbon composite fibers)  ...) so that an electric car consumes considerably more energy and resources during production than a comparable petrol or diesel engine. Converting the 48 million cars currently registered in Germany, let alone the more than one billion cars worldwide, to alternative drives is simply absurd – if only because of the scarcity of the necessary raw materials such as lithium and cobalt. Even the german Green Party, which tend to be optimistic in this area, assume  that a maximum of 15 million electric cars will be available in Germany  after the end of the combustion engine (2030). The German government, which was in office until 2021, estimated the number of e-cars to only 8 million. In view of this finding, however, the question immediately arises as to who should then be granted the privilege of driving. The proposal of the Ecosocialism Initiative is therefore that by 2030 at the latest, no more cars should be approved for purely private use (except, of course, emergency vehicles, taxis including transport taxis, company vehicles for craftsmen, jointly managed e-car pools in remote rural areas  ...). An ecological change in transport can only mean a farewell to motorised private transport. As the example of Switzerland shows, a corresponding expansion of public transport can also sensibly connect remote settlements in rural areas.  However, we cannot shift today's traffic volume to public transport on a one-to-one basis. This would mean a multiplication of capacities that would be neither logistically feasible nor ecologically meaningfull. Reducing the need for mobility is a challenging structural policy task. Reducing freight traffic through a regionalisation of the economy, which is currently also failing due to the requirements of the EU internal market, is indispensable. In addition, we will also have to develop a different attitude to mobility and say goodbye to certain demands (cf. Kern 22020, 78–85; 165).

Another problem field is the construction industry, which, among other things, consumes 35 % of the steel we produce. Steel production is not only associated with considerable energy consumption, but also carbon dioxide is produced as a result of the process. Now there are technically mature processes that replace the reducing agent coke with hydrogen and process the pig iron obtained in this way into steel in electric arc furnaces. The efficiency can be further increased by obtaining the hydrogen from water vapour and using the waste heat from the blast furnaces for this purpose. But even if all these possibilities are exhausted, this "green steel" will only be available to us in considerably smaller quantities in view of the scarce supply of the necessary energy (for example for hydrogen production). The conversion of today's level of steel production to emission-free processes requires about 130 TWh more electricity!  The Thyssen-Krupp steelworks in Duisburg alone needed 3,500 wind turbines to convert to decarbonised processes – more than are currently installed in NRW. Cement production – which alone has so far consumed a total of 28 TWh of energy – is not only energy-intensive (limestone must be heated to 1400 degrees Celsius), the crushing of the limestone releases large amounts of CO2 bound in it. Even if the necessary energy requirement is reduced by alternative processes, this only affects the smaller part of carbon dioxide emissions. Little known is also that sand suitable for building (desert sand is not!) is now a very scarce raw material. An absolute reduction in construction activity is inevitable, i.e. a complete renunciation of prestige buildings and everything that serves the old, fossil infrastructure. As far as the necessary living space is concerned, mechanisms for the redistribution of existing housing must be developed politically. The laws and regulations concerning building must be reformed in such a way that they prevent excessive dimensions, detached single-family houses, etc. Beyond steel and concrete, in the future we will have to rely on alternative construction materials, especially timber construction, which, as the example of Austria shows, is now highly developed.

For the important chemical industry, too, it is true that it could in principle be made completely greenhouse gas neutral, that both the process-related and the emissions caused by heat generation (for example, for so-called steam cracking, by means of which the long hydrocarbon compounds are split)  could be completely avoided. However, the associated additional consumption of electricity of 685 TWh has already been pointed out above. In this area, too, there is no way around a significant reduction in overall production. In addition to the areas already discussed, the construction industry (22 %) and the car industry (12 %), the packaging industry in particular currently has a considerable demand for plastics (35 %). However, it is precisely in this area that regulatory intervention could be made very easily: A significant proportion of today's plastic packaging (canned food of all kinds, cleaning agents, beverage containers) could easily be replaced by appropriate reusable systems. Non returnable plastic bottles could be banned without further ado, as could tinplate aluminium cans. For a remaining remnant of hard-to-avoid plastic packaging, a high recycling rate could be ensured by prescribing color and material purity. In addition to avoiding emissions, this would also have solved the waste problem to a considerable extent.

A return from the current agricultural industry to a peasant agriculture that can do without artificial fertilizers makes ammonia production using the energy-intensive Haber-Bosch process superfluous. Only a shutdown of production with the help of such drastic measures will enable a completely emission-free chemical industry.

On the basis of these three large fields, it becomes clear in which dimension we have to achieve a dismantling of production and consumption as quickly as possible. It should be emphasised that this is possible with the appropriate political will with the regulatory instruments already available. Wisely, in order to take a majority of people on this difficult path, one will start with all the measures that do not affect anyone's quality of life, but are simply due to capitalist mechanisms without meaning. The packaging industry has already been mentioned. The lifetime of a large proportion of household appliances, electronic devices, etc. could be significantly extended by effective measures to stop "planned obsolescence", by imposing appropriate warranty periods, and by requiring product design requirements in terms of repairability and recyclability in the sense of the "cradle to cradle" principle, production in this area could be significantly reduced. However, it should not be withholded that a consistently advanced dismantling also calls into question the  consumption patterns of a large majority of the population. This also applies to the large number of digital devices, the possession of a smartphone, which is so common today, etc. The scarcity of available resources results in competition for use. This means that we will have to reach a political agreement on what we are using these resources for: for the construction of cruise ships or for sufficient MRI machines in our hospitals (see Kern [6]22020, 158–162).

In addition, it would be necessary to negotiate politically which products we want to do without completely, because they have no social or individual benefit, but on the contrary are harmful, pathogenic, dangerous. First and foremost, of course, is the production  of armaments. It is hard to beat the absurdity that we are preparing for future wars for increasingly scarce resources with a gigantic expenditure of resources (cf. Zumach 22005 in particular). A ban on arms exports without exception and an end to procurement by the Bundeswehr are not only required by peace policy, but are inevitable in view of the scarce resources.

Of course, we must shape this dismantling in solidarity and ensure that the material existence of the people affected is secured. In the short term, the conversion will create a need for skilled workers in many areas, for example for the construction of public transport, for the energy-efficient renovation of buildings, etc. In the long term, the exit from industrial society as we know it means an increased need for human labour in a number of areas, such as agriculture, repair shops and traditional crafts. In addition, there is already a significant need for workers in the care and education sector.

In order to materially secure the people in this enormous necessary dismantling of industrial society, Helge Peukert has proposed to build up a social-ecological employment sector by means of central bank money (i.e. independant of the revenues of the capitalist growth machine). A "conditional basic income" issued by the central bank as "gift money" (in contrast to an unconditional basic income, this should be linked to a necessary, reasonable work performance, for example to eliminate environmental damage, etc.) can alleviate people's existential fears associated with these transformations and make them active protagonists of  this change (Peukert 2021, 465–479).

 

Literature

Alexander, Samuel/Floyd, Joshua 2020: Das Ende der Kohlenstoff-Zivilisation. Wie wir mit weniger Energie leben können, München.

DECHEMA/FutureCamp 2019: Roadmap Chemie 2050. Auf dem Weg zu einer treibhausgasneutralen chemischen Industrie, Frankfurt a. M./ München.

Kern, Bruno 22020: Das Märchen vom grünen Wachstum. Plädoyer für eine solidarische und nachhaltige Gesellschaft, Zürich.

Kreutzfeld, Malte: Warnung vor neuem Kolonialismus, in: TAZ v. 27. 4. 2022.

Luks, Fred, Der Himmel ist nicht die Grenze, in: Frankfurter Rundschau, 21. 1. 1997.

Meier, Klaus 2020: Das Klima retten. CO2-neutrale Technologien und industrieller Rückbau, Frankfurt a. M.

Minqi Li 2008: The Rise of China and the Demise of Capitalist Word-Economy, London.

Peukert, Helge 2021: Klimaneutralität jetzt! Marburg.

Rohstoffhunger der E-Autos, in: Regenwaldreport 2/2021, 6–9.

Trainer, Ted 2007: Renewable Energy Cannot Sustain a Consumer Society, Dordrecht.

WWF (Hg.) 2019: Germanyʼs Electric Future II. Regionalization of renewable power generation, Berlin.

Zumach, Andreas 22005: Die kommenden Kriege. Ressourcen, Menschenrechte, Machtgewinn – Präventivkrieg als Dauerzustand? Köln.



[1] In the following, I would like to refer in general to Kern 22022, 40–90, where I dealt in detail with the energy balances of renewable energies.

[2] However, the credit side of the balance sheet has an impact only where the corresponding plant was built, so that the impression of a successful energy transition could be maintained for us. For the global climate, however, this makes no difference.

[3] In particular, I refer to Alexander/ Floyd 2020, 101–103.

[4] For the following, I refer above all to Meier 2020.

[5] With regard to the life cycle assessment of e-cars, I refer to: Hunger for raw materials in e-cars in 2021.

[6] Elsewhere, I have explained in detail why so-called "market-compliant instruments", i.e. the political influence on prices by taxes, emissions trading, etc. are unsuitable to shape this dismantling. Among many other reasons, my main argument is that these instruments only work as far as the corresponding reductions can be achieved by more efficient procedures. But when it is about absolute reduction of production, this strategy turns out to be unfit. Would the CO2-price be set so high (for example, through a corresponding design of emissions trading) that the 1.5-degree target of global warming could still be adhered to, then this would have led to the collapse of substantial parts of the Industrie and the end to the business model of a large part of the corporations. It is also often argued that a correspondingly high CO2price solely could elegantly displace coal-fired power plants from the market, because they would then become uneconomical compared to other types of electricity generation. However, this argument would only be valid on the condition that alternatives were available to a sufficient extent! Cf. above all Kern 22020, 91–115.

Energiewende - wo stehen wir jetzt? Eine globale Perspektive

Ernst Schriefl Dieser Text ist ein Kapitel aus meinem Buch "Raus aus Kohle, Öl und Gas - aber wie? Die Dilemmata der Energiewende"...