Sonntag, 10. August 2025

Die Linke und die Schuldenbremse

 Bruno Kern

 

„Man sagt, die alten Phönizier hamʼs Geld erfunden. Aber ich bittʼ Sie, warum so wenig?“ So heißt es in einer der Possen des österreichischen Dramatikers und Volksschauspielers Johann Nestroy aus dem 19. Jahrhundert. Was bei ihm eine gute Pointe war und entsprechende Lacher beim Publikum auslöste, scheinen so manche „Linke“ für eine seriöse Geldpolitik zu halten. Die Füllhornmentalität, die in dieser Auffassung zum Ausdruck kommt, offenbart nichts anderes als eine völlige Ignoranz hinsichtlich der Grenzen des Wachstums. Es ist geradezu eine infantile Vorstellung zu glauben, man könne Geld in beliebiger Menge konsequenzenlos herbeizaubern. Der Wert des Geldes bemisst sich immer an der Menge von Gütern und Dienstleistungen, die ihm gegenüberstehen. Schulden sind daher nichts anderes als vorweggenommenes Wachstum. Sie müssen am Ende des Tages realwirtschaftlich unterfüttert werden. Das gestehen auch sämtliche Befürworter der Aufhebung der Schuldenbremse unumwunden ein. So heißt es etwa bei Ulrike Herrmann, die in ihren tagespolitischen Einlassungen ihre grundsätzliche Wachstumskritik regelmäßig einfach zu verdrängen scheint: „... Zinsen sind kein Problem, weil sie sich von selbst finanzieren, solange sie niedriger als die Inflationsrate plus Wachstum liegen.“ (taz, 15. 7. 2024)

In der tagespolitischen Diskussion wird immer wieder der Eindruck erweckt, als sei die Schuldenbremse eine neoliberale Erfindung. Das ist keineswegs der Fall. Zur Erinnerung: Die Begrenzung der „strukturellen“, also von der Konjunktur unabhängigen Schulden von Bund und Ländern auf maximal 0,35 % des nominellen BIP wurde im Jahr 2009 als Konsequenz der Weltfinanzkrise und deren Bewältigung mit der nötigen Zweidrittelmehrheit in die Verfassung geschrieben. Es lohnt sich deshalb eine Rückbesinnung auf die tieferen Ursachen der Finanzkrise, die oftmals leider allzu oberflächlich auf leichtfertige Kreditvergabe profitgieriger Banken zurückgeführt wird.[1] 

Am Beginn stand das Scheitern eines keynesianistischen Wachstumsprogramms in den USA, das vor allem den Immobiliensektor betraf. Der Erlös von Immobilienverkäufen wurde von der Steuer befreit. Überdies sorgte die Niedrigzinspolitik der FED für viel liquides Geld auf den Finanzmärkten, das nach zinsbringenden Anlagen suchte.  Die Subprime-Kredite, also Kredite mit einem höheren Risiko, für Hauskäufer, war eine Strategie der Geschäftsbanken, damit umzugehen. Der Zinssatz hierfür war variabel und konnte bei entsprechendem Anstieg oftmals nicht mehr bedient werden. Die hohe Anzahl von Häusern, die dann zum Verkauf anstanden, drückten die Preise nach unten, was die Situation der Schuldner noch verschärfte.  Der entscheidende Auslöser für die Krise war ein Einbruch der Wirtschaft aufgrund der eklatanten Erhöhung von Rohstoffpreisen (Erdöl, mineralische Rohstoffe) auf dem Weltmarkt. Die Rezession setzte bereits im Dezember 2007 ein und erreichte um die Jahresmitte 2008 ihren Höhepunkt. Im Juli 2008, also unmittelbar vor dem Ausbruch der Weltfinanzkrise, kostete ein Barrel Erdöl 140 Dollar. Das führte nicht nur zu einer spürbaren Erhöhung der Lebenshaltungskosten bei den Verbrauchern (und Kreditnehmern), sondern unter anderem auch zu einer Krise der Automobilindustrie mit entsprechenden Einkommensverlusten. 

Der Einbruch des realwirtschaftlichen Wachstums aufgrund knapper werdender Rohstoffe war also der eigentliche Hintergrund der Krise. Sie ist aber keineswegs eine singuläre Erscheinung, sondern bestätigt lediglich den Befund des Club of Rome aus dem Jahr 1972, dass Wirtschaftswachstum zwangsläufig an ein Ende kommt – und zwar aus heutiger Sicht in absehbarer Zeit. Allein aufgrund der immer knapper werdenden Rohstoffe ist eine boomende Wirtschaft nicht mehr zu erwarten. Die unmittelbare Konsequenz auf einen spürbaren Rückgang des weltweiten Wachstums wird eine neuerliche Finanzkrise sein. Wer in dieser Situation für praktisch unbegrenzte Verschuldung plädiert, gießt Öl ins Feuer. Stattdessen wäre es klug, das unausbleibliche Ende des Wachstums vorwegzunehmen, eine solidarisch gestaltete Rücknahme des Wachstums einzuleiten, anstatt das abrupte Ende naturwüchsig über uns hereinbrechen zu lassen.

Aufschlussreich ist auch ein Blick auf den konkreten Finanzbedarf, mit dem man eine möglichst grenzenlose Staatsverschuldung rechtfertigen will. Drei Bereiche werden in der Regel genannt: Rüstung (natürlich zur „Verteidigung“), Digitalisierung, Infrastruktur (nicht zuletzt für die ökologische Transformation der Ökonomie). Ohne darauf im Detail eingehen zu können, sei hierzu nur grundsätzlich vermerkt: Jenseits aller ideologischen Rechtfertigungen resultiert die Gefahr eines (globalen) Krieges vor allem aus der Verknappung wesentlicher Rohstoffe und der verschärften Konkurrenz um sie. Es ist an Absurdität wohl nicht mehr zu überbieten, sich mit dem erheblichen Ressourcenverschleiß, den unsere Aufrüstung bedeutet, auf den Kampf um knapper werdende Ressourcen vorzubereiten. 

Die Digitalisierung wird kaum mehr infrage gestellt und gilt als der wesentliche Faktor der künftigen Wettbewerbsfähigkeit. In Wahrheit ist sie ein Brandbeschleuniger. Auch hier werden die stofflichen Grenzen meistens nicht bedacht. Vor allem aufgrund der Digitalisierung wird sich in den nächsten Jahren der Strombedarf eklatant erhöhen. In Deutschland werden im Jahr 2030 wahrscheinlich anstatt der aktuellen 500 TWh mindestens 780 TWh Strom nötig sein. Streaming-Dienste, die Verarbeitung von Unmengen an Daten für das Training von KI, die Infrastruktur für „autonomes Fahren“ und ähnlichen Unsinn verschlingen Energien, die natürlich nicht mehr auf erneuerbarer Basis zu erzeugen sind. In den USA werden zurzeit um 100 Mrd. Dollar neue Rechenzentren hochgezogen. Aus Wettbewerbsgründen dürfen wir hier angeblich nicht zurückstehen. 

Auf ganz anderer Ebene zeigt sich die stoffliche Seite der Digitalisierung in der wachsenden Menge an digitalen Endgeräten, die für über eine Million Tonnen Elektroschrott im Jahr sorgen. Dieser Wahnsinn muss gestoppt und nicht noch durch zusätzliche Staatsverschuldung  befeuert werden. Was die nötige Infrastruktur für die ökologische Transformation betrifft, so ist ganz grundsätzlich festzuhalten: Eine echte Transformation hin zu ökologischer Nachhaltigkeit erfordert zu allererst industriellen Rückbau! Die Autoindustrie muss etwa auf ein Zehntel zurückgefahren werden, die Grundstoffchemie kann nur nachhaltig werden, wenn sie zugleich wesentlich abspeckt, mit grünem Wasserstoff werden wir allenfalls einen Bruchteil der heutigen Mengen an Stahl erzeugen können, die Bautätigkeit muss auf ein nicht vermeidbares Minimum reduziert werden ...[2]  

Natürlich erfordert die ökologische Transformation daneben auch Investitionen in neue Infrastruktur, zum Beispiel für die Wärmewende und für einen moderaten Ausbau der Mobilitätsinfrastruktur wie etwa eine Revitalisierung stillgelegter Bahnstrecken. Von einem „massiven“ Ausbau, wie das linke Kreise aber immer wieder propagieren, kann dabei nicht die Rede sein. Der Ausbau einer anderen Infrastruktur ist ja mit einem Material- und Ressourcenverbrauch verbunden, den wir uns eigentlich ökologisch nicht mehr leisten können. Dieser „materielle Rebound“ ist nur durch einen umso konsequenteren Rückbau in anderen Bereichen zu kompensieren. Und: Der nötige Rückbau unserer Ökonomie ist natürlich sozial abzufedern. Allerdings ist beim dafür nötigen Geldbedarf keineswegs vom heutigen Lohnniveau auszugehen. Eine schrumpfende Wirtschaft kann nur Hand in Hand gehen mit entsprechenden schrumpfenden Einkommen. Weniger Güter und Dienstleistungen bei gleichbleibenden Einkommen können ja nach dem kleinen Einmaleins der Ökonomie nur Inflation bedeuten.

Wenigstens für die genannten Bereiche der ökologischen Transformation wäre also vonseiten des Staates zusätzliches Geld in die Hand zu nehmen. Will man eine weitere Verschuldung, die Wachstum voraussetzt und befeuert, vermeiden, dann stehen hierfür zwei Quellen zur Verfügung: 1. Frei werdende Haushaltsmittel durch eine Verschiebung der Prioritäten. 2. Eine Umverteilung des in Deutschland reichlich vorhandenen privaten Geldvermögens. Letzteres wird zurzeit auf etwa 9 Billionen Euro geschätzt. Wer es ernst meint mit einer Postwachstumspolitik, muss unter dem Strich Geld aus dem System nehmen. Die steuerlichen Mechanismen der Abschöpfung und Umverteilung privaten Geldvermögens sind bekannt. Es bleibt nur anzumerken, dass es um eine Umverteilung in großem Stil gehen muss, die sich keineswegs auf die „Superreichen“ beschränken kann.[3]

Damit ist auch schon der verteilungspolitische Aspekt einer weiteren Staatsverschuldung angedeutet: Wenn Linken die Grenzen des Wachstums schon nicht geläufig sind (was fatal genug ist), dann sollten sie wenigstens ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass Staatsverschuldung immer eine Umverteilung in die falsche Richtung bedeutet. Sie wird über den Umweg der Privatwirtschaft abgewickelt. Käufer von Staatsanleihen sind im Wesentlichen große private Geschäftsbanken, große Versicherungen und zu einem geringeren Teil reiche Privatanleger. Die Zinsen müssen dagegen von der Allgemeinheit aufgebracht werden, oft um den Preis des Abbaus von Sozialleistungen. Staatsverschuldung bedeutet damit aber immer auch eine zusätzliche Abgabe der Kontrolle an profitorientierte Geldinstitute. Anstatt konsequent privates Geldkapital für die Belange der Allgemeinheit abzuschöpfen, liefern wir uns umso stärker dem Profitstreben privater Akteure aus. „Links“ geht, glaube ich, anders. 



[1] Vgl. dazu vor allem Saral Sarkar, Die Krisen des Kapitalismus. Eine andere Studie der politischen Ökonomie, Neu-Ulm 2012, 330–360.

[2] Vgl. dazu im Detail Bruno Kern, Industrielle Abrüstung jetzt! Abschied von den Technik-Illusionen, Marburg 2024.

[3] Dass eine Politik der bewussten Wachstumsrücknahme letztlich ein Vollgeldsystem, also von der Zentralbank direkt geschöpftes Geld anstelle der Geldschöpfung durch Kreditvergabe privater Banken, benötigt, habe ich an anderer Stelle ausgeführt: Kern 2024, 141–143.

Was ist Ökosozialismus?

Bruno Kern

 

Ein Begriff ohne Markenschutz

Das Etikett „Ökosozialismus“ wurde und wird von verschiedenen politischen Akteuren in recht unterschiedlichem Sinne verwendet. Seit den 2000er Jahren sind es vor allem ÖkomarxistInnen der IV. (trotzkistischen) Internationale, die unter diesem Label auftreten und die Definitionshoheit über diesen Begriff für sich beanspruchen. Leider bleiben sie in ihren Analysen und in ihrer politischen Orientierung weit hinter dem ökologisch Notwendigen zurück, und zuweilen hat man den Eindruck, als sei die planetarische Krise der Menschheit so etwas wie ein zusätzliches Hilfsargument  für eine antikapitalistische Position, deren Motive eigentlich woanders liegen. In klarer Abgrenzung davon will ich im Folgenden das Verständnis von „Ökosozialismus“ entfalten, wie es Saral Sarkar in seinen Hauptwerken dargelegt hat (Sarkar 2001; Sarkar 2012; Sarkar 2024), und dessen Profil gerade vor dem Hintergrund der orthodoxen marxistischen Strömungen herausstellen, die letztlich den Denkmustern eines Arbeiterbewegungsmarxismus verhaftet bleiben, ohne der Zivilisationskrise der Menschheit damit gerecht zu werden. Im Gegensatz zum immer noch prägenden Produktivismus der Klassiker Marx und Engels, die die maximale Entfaltung der Produktivkräfte für die unabdingbare Voraussetzung einer sozialistischen Gesellschaft hielten, geht Saral Sarkar konsequent vom Paradigma der Grenzen des Wachstums aus, wie sie der Bericht des Club of Rome analysiert hat. 

Bevor ich mich den Unterschieden der Positionen im Detail widme, gilt es jedoch, die gemeinsame Basis herauszustellen.  Wir teilen mit den ÖkomarxistInnen die Auffassung, dass der dem Kapitalismus aufgrund der Konkurrenz von Einzelkapitalien eingeschriebene Zwang zu stetigem Wachstum, sein Zwang zur Kapitalakkumulation auf immer höherer Stufenleiter, durchbrochen werden muss, dass dieser Wachstumszwang allen ökologischen Erfordernissen widerspricht und dass an die Stelle der Anarchie kapitalistischer Profitinteressen eine bewusste, demokratisch gestaltete Planung des Produktionsprozesses treten muss, um unser Verhältnis zur Natur im Sinne unserer Überlebensinteressen zu gestalten. 

Allerdings gilt es unserer Meinung nach nicht einfach, die weitere Expansion zu verhindern, sondern vielmehr – zumindest in den reichen Industrieländern – einen radikalen Schrumpfungsprozess der Ökonomie einzuleiten, der schließlich in einen Zustand stabilen Gleichgewichts mündet. Damit steht aber nicht nur der Kapitalismus, sondern auch die Industriegesellschaft selbst zur Disposition! Das kapitalistische Produktionsverhältnis ist für uns keineswegs die letzte Ursache, sondern das jüngste Mittel der Expansion des Industrialismus! In seiner frühen Phase hat Karl Marx selbst erkannt, dass eine Kritik des Kapitalismus unweigerlich in eine Kritik der großindustriellen Produktionsweise münden muss (MEW 4,97), diesen Gedanken aber zugunsten seiner technikgläubigen Haltung der maximalen Produktivkraftentfaltung wieder verdrängt. Die verharmlosende Vorstellung der ÖkomarxistInnen von der heute notwendigen ökologischen Transformation hängt vermutlich unmittelbar mit diesem Erbe zusammen, aber auch – und dies gerade im Unterschied zu Karl Marx – damit, dass man eine redliche Beschäftigung mit den empirischen Grundlagen eher scheut bzw. sich salopp darüber hinwegredet.

 

Technische Illusionen    

In welch gefährliche Naivitäten die Weigerung führen kann, empirische Befunde zur Kenntnis zu nehmen, lässt sich an Daniel Tanuro, einem der einflussreichsten „ökosozialistischen“ Vordenker, ablesen. In seinem Buch „Klimakrise und Kapitalismus“  heißt es gleich zu Beginn: „Ein Sonderbericht des Weltklimarats (IPCC) bestätigte, dass das technische Potenzial der erneuerbaren Energien mehr als ausreichend ist, um die Bedürfnisse der Menschheit zu befriedigen.“ (Tanuro 2025, 11) Es ist erstaunlich genug, dass sich ein Marxist gerade auf jenes Gremium beruft, dessen Grundanliegen es ist, das kapitalistische Weltwirtschaftsystem über die Klimakrise hinweg zu retten, und dass er sich damit überhaupt nicht mehr von den Protagonisten eines grünen Kapitalismus unterscheidet, die Technikillusionen schüren, um der eigentlich politischen Frage auszuweichen, die da lautet: Wie bauen wir eine solidarische Gesellschaft auf einer wesentlich schmaleren materiellen Basis auf? Wenn erneuerbare Energien tatsächlich ein so aussichtsreiches Potenzial haben – warum dann noch von Sozialismus reden? Könnte man dann die Bewältigung der Klimakrise nicht getrost einem aufgeklärten Kapitalismus und den entsprechenden Profitaussichten überlassen? 

Saral Sarkar und seine Schule hingegen haben anhand einer eingehenden Beschäftigung mit Energiebilanzen, Energierücklaufzeiten, etc. aufgezeigt, dass erneuerbare Energien keineswegs unerschöpflich sind, dass auf ihrer Basis allenfalls ein Bruchteil dessen substituiert werden kann, was uns heute noch aus fossilen Quellen zur Verfügung steht.  Es kommt alles darauf an, in einer ehrlichen Bilanz, die den gesamten Prozess angefangen vom Abbau der erforderlichen Rohstoffe bis zur Installation der Anlagen, der Netzintegration und den nötigen Speicherkapazitäten berücksichtigt, dem energetischen Output den zunächst nötigen Input an Energie und Ressourcen gegenüberzustellen (EROEI = energy return on energy invested). Je nach Standort fällt die Bilanz für Photovoltaik oder Windenergie recht ernüchternd aus. 

Die Bereitstellung erneuerbarer Energien setzt zunächst einen erheblichen Input an fossilen Energien voraus. Erneuerbare partizipieren an der immer noch vorhandenen fossilen Basis. Im Anschluss an Nicholas Georgescu-Roegen unterscheidet Sarkar deshalb zwischen machbaren (feasable) und lebensfähigen (viable) Energien. Lebensfähig wäre eine Energieform dann, wenn sie sich selbst reproduzieren könnte, wenn die notwendigen Voraussetzungen ihrer Bereitstellung allein auf der Basis eben dieser erneuerbaren Energieform geschaffen werden könnten, das heißt: wenn die zweite Generation der entsprechenden Windräder oder Solarmodule allein mithilfe von Strom aus Wind und Photovoltaik erzeugt werden könnte. Ist dies überhaupt denkbar? Kann man sich den Abbau der erforderlichen Rohstoffe, Metallerze, Seltene Erden und die entsprechende Verarbeitung allein mittels Strom aus erneuerbaren Energien überhaupt vorstellen? Und wie viel der gewonnenen Energie bleibt für die verschiedenen Nutzungsanwendungen jenseits ihrer eigenen  Reproduktion noch übrig?  Zudem ist das Potenzial durch andere, geografische und schwer zu ändernde Faktoren begrenzt. Windräder brauchen, um effektiv genug betrieben zu werden, Standorte mit einer bestimmten Durchschnittswindgeschwindigkeit im Jahr, Photovoltaikanlagen haben nur unter der Voraussetzung eine positive Energiebilanz, dass die Zahl der Sonnenvolllaststunden im Jahr entsprechend hoch ist. Aufgrund dieser Faktoren schätzt man das theoretisch erschließbare Potenzial an erneuerbaren Energien in Deutschland auf nicht viel mehr als 700 TWh. Dem steht aber zurzeit ein Endenergieverbrauch von 2500 TWh gegenüber. Es klafft also eine große Lücke zwischen dem Anspruch, unsere Energiebasis zu 100 % aus Erneuerbaren zu gewinnen, und unserem Verbrauch. Die Diskussion wird bei uns meistens insofern verzerrt, als man sie auf die Elektrizität einschränkt, die jedoch zurzeit nur etwa ein Fünftel unseres Gesamtenergieverbrauchs ausmacht. 

Der Offenbarungseid ist inzwischen gerade von denen, die sich politisch der ökologischen Transformation verschrieben haben, längst geleistet: Es wurden Gaslieferverträge bis in die Vierzigerjahre hinein abgeschlossen, man setzt auf die bedenkliche und ihrerseits illusorische Methode des CCS[1], man rechnet mit Wasserstoffmengen aus der ganzen Welt, von denen man heute noch nicht weiß, wer sie liefern kann, mit einer technischen Transformation (z.B. Elektromobilität), deren Rohstoffbasis es in ausreichendem Maße nicht gibt ... Von konservativer Seite fantasiert man von den unerschöpflichen Energiemengen aus Kernfusion, und vom fast niemandem werden höchst bedenkliche technische Innovationen (Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, autonomes Fahren ...) infrage gestellt, die nichts anderes sind als Brandbeschleuniger und unseren Energieverbrauch nochmal kräftig in die Höhe schrauben. Und die marxistischen Ökosozialisten stehen, getreu dem Erbe ihrer Klassiker, zu einem großen Teil diesen illusorischen Blütenträumen recht unkritisch gegenüber. Demgegenüber betonen Saral Sarkar und seine Schule, dass die Idee des Sozialismus im 21. Jahrhundert gerade erst angesichts der Notwendigkeit eines industriellen Rückbaus wieder an Plausibilität gewinnt.

 

Industrielle Abrüstung       

Angesichts des begrenzten Potenzials erneuerbarer Energien und des rapiden Abbröckelns der Rohstoffbasis, der Grenzen von Recycling und Effizienzsteigerungen (die dem Gesetz des abnehmenden Grenzertrags unterliegen) drängt sich die Konsequenz als zwingend auf: Die Transformation hin zu ökologischer Nachhaltigkeit kann bei uns nur Hand in Hand gehen mit einem drastischen Rückbau der Produktion selbst. Die technischen Voraussetzungen, um „grünen Stahl“ zu produzieren, sind ausgereift. Doch grüner Wasserstoff wird ein sehr knappes Gut bleiben, sodass von diesem grünen Stahl eben nur wesentlich weniger produziert werden kann. Dasselbe gilt für die Grundstoffchemie. Eine vom VCI selbst in Auftrag gegebene Studie aus dem Jahr 2019 kam zum Ergebnis, dass eine – technisch mögliche – Dekarbonisierung dieser Branche einen zusätzliche Strombedarf von 685 TWh bedingen würde, also allein für die Chemieindustrie eine weitaus größere Strommenge als die in Deutschland zurzeit insgesamt erzeugte. 

Wenn es um absolute Absenkung des Produktionsniveaus geht, dann bedeutet das aber auch, dass marktkonforme Steuerungsinstrumente wie etwa der Emissionshandel nicht mehr greifen. Sie wirken ihrer Konzeption nach nur so weit, wie sie durch Effizienzverbesserungen, innovative Produktionsverfahren etc. kompensiert werden können. Ein absolutes Herunterfahren der Produktion selbst aber kann nur auf ordnungspolitischem Weg, also durch Gebote und Verbote, erfolgen. Auf bestimmte Produkte wird völlig zu verzichten sein – so etwa auf die äußerst ressourcenintensive Rüstungsindustrie. Es ist an Absurdität nicht zu überbieten, sich mit diesem immensen Ressourcenverschleiß auf künftige Kriege um knapper werdende Ressourcen vorzubereiten. 

Vieles andere kann ordnungspolitisch unterbunden werden, ohne dass die Menschen dies als Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität erfahren. Es würde lediglich einem kapitalistischen Leerlauf Einhalt geboten. Das wäre etwa bei einer wirksamen Gesetzgebung gegen die sogenannte geplante Obsoleszenz[2] der Fall, aber auch bei einem Verbot von Kunststoffeinwegverpackungen etc. Dabei kann es aber nicht bleiben. Es sind durchaus beherzt Bereiche in Angriff zu nehmen, die die eingeschliffenen Konsummuster der Bevölkerungsmehrheit betreffen.  Das gilt etwa für die Mobilität: Die Autoproduktion verschlingt in Deutschland zurzeit 48 % der energieintensiven Aluminiumproduktion, mehr als ein Viertel der Stahlproduktion, 12 % der Kunststoffproduktion etc. Ein Ende der Zulassung von Autos für den rein privaten Gebrauch ab 2030 könnte den Autobestand auf ein Zehntel des heutigen Niveaus reduzieren (ausgenommen blieben natürlich Transport- und andere Taxis, Betriebsfahrzeuge, Einsatzfahrzeuge, gemeinschaftlich verwaltete E-Auto-Pools in abgehängten ländlichen Regionen, was die heute zugelassenen 50 Mio. PkWs auf etwa 5 Mio. reduzieren würde). Ebenso unumgänglich wäre eine Einschränkung von Fernflügen (über 1000 km) durch die Vergabe personenbezogener Kontingente, ein vollständiges Verbot von Kurzstreckenflügen, die Änderung der „guten fachlichen Praxis“[3] in der Landwirtschaft, die eine Rückkehr zur bäuerlichen Landwirtschaft einleitet, eine drastische Einschränkung der Bautätigkeit auf ein schwer zu vermeidendes Minimum, etc.

Der Unterschied zwischen dem Ökosozialismus, wie ihn Saral Sarkar und seine Schüler verstehen, und dem der marxistischen ÖkosozialistInnen, könnte hier größer kaum sein. Deren Protagonisten sprechen lediglich von einer Einschränkung des Luxuskonsums von Millionären und Milliardären, verwahren sich zum Teil vehement dagegen, den Wohlstandsbürgern der reichen Industrieländer Einschränkungen zuzumuten (Klaus Dörre), und frönen einem Populismus, der gerade angesichts des Nord-Süd-Gefälles unerträglich klingt. So heißt es bei einem der prominentesten trotzkistischen Ökosozialisten, Michael Löwy, der den Besitz eines Privatautos als Menschenrecht betrachtet: „Es gibt keineswegs die Notwendigkeit – wie es einige puritanische und asketische ÖkologInnen zu glauben scheinen –, das Lebensniveau  der europäischen oder nordamerikanischen Bevölkerungen in grundsätzlichem Sinne abzusenken.“ (Löwy 2016, 57). So werden vorgebliche Antiimperialisten zu glühenden Verfechtern des american way of life. Den Unterschied zu den viel gescholtenen Anhängern eines grünen Kapitalismus kann ich nicht mehr erkennen. 

Viele marxistische ÖkosozialistInnen beschränken einen notwendigen Rückbau lediglich auf die fossile Branche und suggerieren damit, dass sich das Konsumniveau bei uns mit anderen Mitteln aufrechterhalten ließe. Allerdings sind zunehmend auch einzelne Stimmen zu vernehmen, die tatsächlich – wenn auch zaghaft genug – von einem unvermeidlichen generellen Rückbau sprechen. Sobald sie ihn aber konkret durchzubuchstabieren versuchen, kommen sie über das bekannte Arsenal eines ökoliberalen Mainstreams nicht hinaus.  In Deutschland bringt das inzwischen trotzkistisch gewendete „Netzwerk Ökosozialismus“ die notwendige ökologische Transformation auf die wohlfeile Formel: Konversion plus Arbeitszeitverkürzung (selbstverständlich bei vollem Lohnausgleich!). Der Begriff „Konversion“ verschleiert gerade, dass es keineswegs nur um eine andere Produktion geht, sondern um ein insgesamt wesentlich geringeres Produktionsvolumen. 

Das radikale Zurückfahren der Automobilindustrie kann eben keineswegs ausgeglichen werden durch einen umso stärkeren Ausbau der Infrastruktur für den öffentlichen Verkehr. Es wäre ja ökologisch völlig kontraproduktiv, nun im selben Umfang Eisenbahnwaggons u. ä. statt Autos zu bauen. Die postulierte Arbeitszeitverkürzung sieht darüber hinweg, dass die in den letzten Jahrzehnten stetig gewachsene Arbeitsproduktivität einen zunehmenden Energieverbrauch zur Voraussetzung hatte und dass eine nachhaltige Produktion wesentlich arbeitsintensiver sein wird (bäuerliche Landwirtschaft, Reparatur, traditionelles Handwerk). Wer vollen Lohnausgleich fordert, will nicht zur Kenntnis nehmen, dass uns insgesamt wesentlich weniger Güter und Dienstleistungen zur Verfügung stehen werden und dass dies bei gleichbleibenden Einkommen nur Inflation bedeuten kann.  Es ist entlarvend genug, dass das Netzwerk Ökosozialismus zusammen mit der IG Metall für den Erhalt des Industriestandorts Deutschland demonstriert. Die wenigen kritischen Akzente, die man hier zaghaft einbringt, bestärken im Grunde nur die Orientierung am altbekannten Industrialismus.

 

„Labour turn“ der Klimagerechtigkeitsbewegung?

Beharrlich halten die ÖkomarxistInnen daran fest, dass die entscheidenden gesellschaftlichen Veränderungen einzig von den ArbeiterInnen und deren Organisationen bewerkstelligt werden können – und dies wider jeden empirischen Befund und wider jede theoretische Plausibilität (s. vor allem Zeller 2020). Genau damit hängt es vermutlich zusammen, dass man – wie oben beschrieben – diesem postulierten revolutionären Subjekt nicht allzu viel zumuten, es keineswegs überfordern will und damit die ökologische Wahrheit preisgibt. Bei nüchterner Betrachtung kommt man schlicht an dem Befund nicht vorbei, dass in den letzten Jahrzehnten der größte Widerstand gegen auch die geringsten ökologischen Fortschritte von den ArbeiterInnen und Gewerkschaften kam. Dies ist auch nicht weiter überraschend, zumal die ArbeiterInnen – wenn auch in geringerem Maße als die reiche Oberschicht – vom globalen Ausbeutungsregime der Ressourcen kräftig profitieren, dass es eine Komplizenschaft zwischen den Protagonisten des Kapitals und der Arbeiterschaft hinsichtlich der asymmetrischen Aneignung der weltweiten Ressourcen gibt und dass dieses globale Gefälle den Gegensatz zwischen Arbeit und Kapital bei uns mehrfach überkompensiert. 

Während Karl Marx noch davon ausgehen durfte, dass das Interesse an der Umwälzung der Gesellschaft insgesamt dem unmittelbaren Eigeninteresse des Industrieproletariats entspricht, ist heute das Gegenteil der Fall: Das Ausbeutungsregime von Natur und globalem Süden deckt sich vollkommen mit den materiellen Interessen der Arbeiter und Arbeiterinnen. Selbstverständlich gehen auch Saral Sarkar und seine Schule davon aus, dass die notwendige ökologische Transformation Hand in Hand gehen muss mit der radikalen Verwirklichung sozialer Gerechtigkeit, dass der notwendige Rückbau der Industrie nur gelingen wird, wenn er mit sozialer Umverteilung in großem Stil einhergeht und wenn politisch gewährleistet wird, dass niemand um seine materielle Existenz bangen muss. Dazu haben wir konkrete politische Vorschläge gemacht (s. etwa Kern 2024, 114–143). Dies bedeutet aber keineswegs Besitzstandswahrung! Die alten Kategorien des „Klassenkampfes“ sind unzulänglich, um die planetarische Krise der Menschheit richtig zu erfassen. Sie verdecken vor allem die „imperiale Lebensweise“, in die die Menschen in den Industriegesellschaften insgesamt eingebunden sind. Die gesellschaftliche Transformation  bedarf heute einer kritischen Masse von Menschen, die bereit sind, gegen ihre eigenen unmittelbaren materiellen Interessen zu handeln. Nicht Proletarier und Kapitalisten bilden hier den entscheidenden Gegensatz, sondern im Sinne Erich Fromms verläuft die Trennlinie zwischen den Gleichgültigen und den Engagierten. Das Projekt eines Ökosozialismus ist letztlich eine ethische Aufgabe.

  

Bevölkerungswachstum

Der Bericht des Club of Rome kam zu dem klaren Ergebnis: Ein planetarisches ökologisches Gleichgewicht lässt sich allenfalls unter zwei Voraussetzungen realisieren: einer politisch in die Wege geleiteten Rücknahme des industriellen Wachstums und zugleich einer Eindämmung des Bevölkerungswachstums (s. dazu vor allem die Website von Sustainable Population Germany: https://sustainable-population-germany.org). Dieser Befund ist auch angesichts der heftigen Polemik von ÖkomarxistInnen nicht von der Hand zu weisen. Auch heute noch erfährt unsere Spezies einen jährlichen Zuwachs um etwa 80 Mio. Menschen. Legt man den weltweiten Durchschnitt des Ausstoßes von Treibhausgasen zugrunde, dann entspricht das nahezu einer halben Milliarde Tonnen an CO2, die jedes Jahr dazukommt. Die geringsten ökologischen Fortschritte werden damit sofort wieder konterkariert. 

Wer das Bevölkerungswachstum tabuisiert, der hätte dann die Beweislast auf seiner Seite, wie er ohne Maßnahmen zur Eindämmung des Bevölkerungswachstums die notwendigen Reduktionen bewerkstelligen will. Der Hinweis darauf, dass gerade die ärmsten Menschen im globalen Süden für wesentlich weniger Emissionen verantwortlich sind, ist zwar richtig, wird aber, benutzt man ihn als Argument gegen Geburtenkontrolle, heuchlerisch, weil diese viel geringeren Emissionen gerade als Voraussetzung weiter festgeschrieben werden, dass es nicht zum ökologischen Kollaps kommt. Zudem ist es bereits arg verkürzt, das Problem einer wachsenden Erdbevölkerung auf den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren: Eine Übernutzung von Land, Trinkwasser und anderen Ressourcen, das ständige Vordringen in Naturräume mit fatalen Folgen, Lebensbedingungen von Menschen in Regionen mit starkem demografischem Druck, die Gewalt, Krieg und Bürgerkrieg bis hin zu Genoziden fördern (Ruanda), sind hier gleichermaßen zu bedenken. 

Allen ein anständiges Leben innerhalb der planetarischen Grenzen zu gewährleisten, setzt voraus, dass die Zahl der Menschen abnimmt. Da wir diese Forderung gleichermaßen an die reichen Industrieländer mit ihrem vielfach höheren Ressourcenverbrauch richten, läuft jeder Vorwurf von Rassismus, Neokolonialismus und dergleichen ins Leere. Auch die heute bereits lebenden mehr als acht Milliarden Menschen können nicht nachhaltig ernährt werden. Die das behaupten, begehen den Denkfehler, dass sie die Erträge des heutigen, keineswegs nachhaltigen Agrobusiness mit energieintensivem Kunstdünger, Pestiziden, Herbiziden, einem den Boden schädigenden Maschineneinsatz in großen Stil etc. einfach extrapolieren. Zudem geht es um wesentlich mehr als Ernährung. Mehr Menschen bedeuten immer auch mehr in Beton gegossene Infrastruktur, mehr Schulen, mehr Krankenhäuser, mehr Wohnungen, mehr Verkehrs- und Energieinfrastruktur etc.

Orthodoxe Linke meinen, das Problem sei erledigt, wenn man es mit dem Etikett „Neomalthusianismus“ versieht. Dabei ist Malthusʼ Bevölkerungsgesetz – ganz unabhängig von sehr bedenklichen Äußerungen, die sich bei ihm finden – wohl kaum zu widerlegen. Marxistische Linke mögen wenigstens zur Kenntnis nehmen, dass ihre Gründerväter, auf die sie sich berufen, nämlich Marx und Engels, in dieser Frage in ihren späten Jahren zumindest sehr nachdenklich geworden sind (s. z. B. MEW 35, 150–152). Es ist auch erstaunlich genug, wie Linke, die einen materialistischen Standpunkt für sich in Anspruch nehmen, von unseren biologischen Grundlagen so sehr abstrahieren können. Mangels Fressfeinden hat sich kein anderes Säugetier so rasant über den Planeten ausgebreitet wie der Mensch, der im Vergleich zu anderen Spezies unvergleichlich mehr Ressourcen verbraucht. Bei allen anderen Spezies regelt die Natur selbst die Population – in der Regel auf recht grausame Weise. Der mit Intelligenz ausgestattete Homo sapiens sollte zumindest mit den Mitteln, die ihm heute zur Verfügung stehen, in der Lage sein, die Regulierung der Population selbst zu steuern. Andernfalls wird dies auch in seinem Fall die Natur regeln: durch Pandemien, Naturkatastrophen, gewaltsame Konflikte, Kriege etc. Der Vorwurf des Zynismus an diejenigen, die für eine Eindämmung des Bevölkerungswachstums mit geeigneten politischen Mitteln eintreten, ist also direkt an die Adresse dieser „Linken“ zurückzugeben.

 

Quellen

Dörre, Klaus: Die Utopie des Sozialismus. Kompass für eine Nachhaltigkeitsrevolution, Berlin 2021.

Kern, Bruno: Das Märchen vom grünen Wachstum. Plädoyer für eine nachhaltige und solidarische Gesellschaft, Zürich 22020.

Kern, Bruno: Industrielle Abrüstung jetzt! Abschied von den Technik-Illusionen, Marburg 2024.

Löwy, Michael: Ökosozialismus. Die radikale Alternative zur ökologischen und kapitalistischen Katastrophe, Hamburg 2016.

Sarkar, Saral: Die nachhaltige Gesellschaft. Eine kritische Analyse der Systemalternativen, Zürich 2001.

Sarkar, Saral: Die Krisen des Kapitalismus. Eine andere politische Ökonomie, Neu-Ulm 2012.

Sarkar, Saral: Was ist Ökosozialismus? Mit einem Beitrag von Jonathan Rutherford, Marburg 2024.

Tanuro, Daniel: Klimakrise und Kapitalismus, Köln 2015.

Zeller, Christian: Revolution für das Klima. Warum wir eine ökosozialistische Alternative brauchen, München 2020.



[1] Carbon Capture and Storage meint das Auffangen von Kohlendioxid und dessen anschließende Verpressung in unterirdischen Lagerstätten. Das „direct air capturing“, also die Entnahme von CO2 direkt aus der Luft, ist allein schon deshalb unsinnig, weil es aufgrund der geringeren Konzentration von CO2 um ein Vielfaches mehr an Energie verbraucht als die Menge an Energie, die zu den entsprechenden Emissionen geführt hat. Auch das Auffangen von CO2  direkt am Ort seiner Entstehung (etwa im Schornstein eines Kohlekraftwerkes) bedingt einen höheren Gesamtenergieverbrauch. Dazu kommt noch der Aufwand des Transports und der unterirdischen Verpressung. Letztere ist mit hohen Risiken verbunden. Sichere Lagerstätten stehen zumindest in der erforderliche Größenordnung  nicht zur Verfügung. Vgl. dazu Kern 2024, 62–66.

[2] Damit ist der bewusste Einbau von Schwachstellen gemeint, die den Lebenszyklus eines Produkts verkürzen. Diese Strategie erfolgt heute nicht mehr nur durch entsprechende Gestaltung der „Hardware“, sondern zunehmend über die Software.

[3] Damit sind gesetzlich vorgegebene Standards gemeint, die nicht nur den Ökolandbau, sondern die Landwirtschaft insgesamt betreffen. Dazu zählen etwa eine Flächenbindung für die Tierhaltung, ein Verbot von Futtermittelimporten, ein weitgehender Verzicht auf Kunstdünger, Pestizide und Herbizide, etc.

Sonntag, 2. März 2025

Polemics is Useless – A Proposal For an Eco-socialist Synthesis in the Overpopulation Dispute

Saral Sarkar

This essay was originally published in 1993. More than 30 years later, with more than 8 billion people living on the planet today and a projected world population of 9.7 billion in 2050, its importance has sharply increased. Some facts and figures on the ground have of course changed since 1993, especially with regard to India. But the basic lines of argument are still valid and the problem still remains largely unsolved (although some progress was made, at least in parts of the world).

 

The problem of population growth is not only a very important topic, it is also a delicate, even an explosive one. In many leftist, feminist and Third World solidarity circles it is almost impossible to mention it as a serious problem. For many ecologists of the North it is a taboo-topic. They are often afraid of raising this issue, afraid of being abused as eco-imperialists.

That is understandable. As long as imperialist institutions like the US government, Rockefeller Foundation, World Bank or individual experts like Garrett Hardin1 and Maurice King2 (but also the rulers of the South) are the main protagonists of birth control, the objects of their policies would naturally view every population policy with suspicion. As long as the former think that the latter produce children like rabbits or look at them as if they were weeds, the latter and their political sympathizers will shout back. As long as population policies are implemented at the cost of the health of women, women's groups will naturally reject them.

As a result of this situation, a genuine discussion between the two sides – the ecologists of the North on the one side and the leftists, feminists and Third World solidarity circles on the other – cannot (and actually does not) take place. What takes place is usually merely polemics. But polemics is of no use. A sincere discussion between the protagonists and opponents of population control is necessary, because the problem is very serious, because a solution must be found soon.

For a genuine discussion on this topic to be possible, it is necessary to break two taboos. One has already been mentioned above. Ecologists of the North must be allowed to raise the issue without being abused as eco-imperialists. And leftists and others must be allowed to raise the system question without being accused of not having learnt anything. History has not come to an end.3 Capitalism, free market economy, the present world economic order etc. must be allowed to be brought into the discussion. The discussion must be freed from polemics. All of us, who are concerned about the whole situation – about ecology, hunger, poverty, exploitation, oppression, war, peace and the fate of the future generations – must for once forget our opponents, think the problem through, and ask ourselves what we would do if we had to decide what is to be and can be done today.

 

Malthus: The Difference Between Problem and Policy

The thinking through must begin with Malthus. We must differentiate between problem and policy. Population policy can be so or so. The one policy can be rejected, the other accepted. But the population problem is an objective state of affairs, which cannot be conjured away. Mixing up the two in discussions creates only confusion.

The indignation against Malthus is justified. According to him, the poor are themselves to be blamed for their poverty. Without doubt, he was an apologist of the then still ruling class of landlords- This class did not want any social change, and so also Malthus considered it impossible to change society. But the question is whether, for this reason, Malthus'es presentation of the problem is also wrong.

The harshest critics of Malthus have always been the leftists4. Marx considered the essay of Malthus to be a “libel on the human race”. Engels wrote in 1865: “Economic laws are not eternal laws of nature but historic laws which arise and disappear.” He thought, “what is tenable in the so-called Malthusian theory” is valid only for societies “based on class rule and class exploitation”. That was no proper refutation. But serious efforts were also made to refute one of the two laws of Malthus. Engels and Lenin recognized that Malthus'es law regarding food production, namely that it increases only in arithmetical progression, is actually based on the law of diminishing returns. They declared that the progress of science and technology is limitless and that this factor of production nullifies the law of diminishing returns, which is otherwise valid, i.e. with regard to the factor of production labour. Basing himself on this optimism, Fidel Castro said in the early sixties:

“Nobody who is conscious of what man can achieve with the help of science and technology will want to set a limit to the number of people that can live on the earth.”5

For a few decades after the death of Marx, Engels and Lenin, Malthus indeed appeared to be refuted through the factual developments. Thanks to science and technology, food production increased by leaps and bounds. At least in the industrial societies there was no hunger.

But science and technology have in the meantime disappointed further expectations. F. E. Trainer (I suppose a leftist) quotes scientists who ascertained in 1979 and 1980 that returns to technology were generally falling.6 In 1934, Lester Brown wrote:

“The response of crops to the use of additional fertilizer is now diminishing, particularly in agriculturally advanced countries. During the fifties, the application of another ton of fertilizer on average yielded 11.5 more tons of grain. During the sixties, fertilizer grain response ratio was 8.3 to 1. By the seventies it had fallen to 5.8.”7

So far as food production is concerned, Trainer informs us, not only is the per capita production stagnating for quite a few years, but in some branches also the absolute production.8 And the ecological and social havocs that “modern” science and technology have caused (e.g. the green revolution, chemical and radioactive poisoning) and are threatening to cause (genetic engineering) have induced many people to demand a return to the traditional methods of cultivation, which yield less harvest per hectare.

The other law of Malthus – population grows, if not controlled, in geometrical progression – is more difficult to refute. The only thing that his opponents can do in this respect is to point at the fact that in industrial societies population has stopped growing or is growing very slowly. But that is also no real refutation inasmuch as the couples of these countries are using various means to control birth. An average healthy German couple could, if it would not use any method of contraception or abortion, produce 15 children in 30 years. Obviously, the two laws of Malthus are natural laws.

 

The Present-day Controversy: What Should Come First?

In the seventies and eighties, the controversy has undergone a qualitative change. The problem is no longer only that of poverty and hunger. Exactly the factors that in the past helped overcome hunger – science, technology and industrialization – have presented us with the global ecological crisis. Neo-Malthusian Paul Ehrlich wrote: “In the long run, the progressive deterioration of our environment may cause more death and misery than any conceivable food-population gap”.9

A few leftists (surely not the majority) have conceded that the problem, as the neo-Malthusians describe it, does indeed exist. One of them, Steve Weissman, wrote as early as in 1971:

“[...] the neo-Malthusians quickly confound the answer given Reverend Malthus by the nineteenth century, and by most Marxists. This time around, we can't simply wait for science and technology to get us out of the hole. New miracle grains [...] But we now know the cost in environmental destruction. [...] the green revolution might not even deliver the agricultural goods.” 10

Also a few neo-Malthusians (here also not the majority) have moved beyond Malthus. Ehrlich, e.g., wrote:

“The battle to save our planet is not just a battle for population control and environmental sanity, it is also a battle against exploitation, against war, and against racism.”11

The two authors quoted here and their intellectual kin differ mainly in their political approach, in their policy priority. Ehrlich probably interpretes the term "exploitation" less radically than Weissman. But the main question is still: What should come first? Development and radical social change or stopping the population growth? It looks almost like a vicious circle. Ehrlich wrote addressing the leftists: “Whatever your cause, it's a lost cause unless we control population.”12 That means, population growth must be stopped first. But Weissman as well as all leftists who have realized that the earth cannot carry an unlimited number of humans are of the opinion that population control cannot function at all under the present-day social conditions (or it may function only if the ruling classes use massive force). That means, they demand radical social change first. Weissman wrote:

“[...] it is capitalism which creates this irrationality and hastens the destruction of the environment [...], and without destroying capitalism, neither green revolutions nor population control will put food in the mouths of those who cannot afford to pay for it.”13

As to the problem of lowering the birth rate, leftists can cite the example of Cuba in support of their argument. In 1959, the year of the revolution, the birth rate in Cuba was 28 per 1000. In 1983, it was only 14.14 And the state did not have to take any strong measures for that. But the problem is not as simple as that. In China, where too revolutionary social changes had taken place, the state did have to take strong measures for the same purpose.

Many critics express their abhorrence against giving population control the priority in inordinately exaggerated and defamatory terms like “genocide”, “depopulating”, “doing away with the poor” etc. Why a policy which only wants that couples should restrict the number of their children to two should be tantamount to genocide, depopulating etc. is beyond the comprehension of anybody with common sense. Or are we supposed to believe that the Han leaders of China, who have been pursuing a policy of one-child family for quite a few years now, are perpetrating genocide against the Han people? In fact, genocide is a crime that not only imperialist nations can commit. Even lesser nations, the populations of which are growing fast, can commit something like genocide against weaker and less numerous tribal peoples within their own territories. That can be witnessed today in many parts of the Third World.

 

How Acute Is the Crisis? How Much Latitude Do We Still Have?

If an egalitarian and just social order is the precondition for the acceptance of a population control policy by the majorities of the peoples of the South, then the question arises: how soon, if at all, we may expect such a social order to come into being? In the seventies, especially after the victory of the socialist revolution in South East Asia and Nicaragua, it appeared as though it would not take too long. In the meantime, however, we have become wiser. But if gradual changes are the only hope, then it could take a long time, and the population would continue to grow in many countries.

At this point, several arguments against the need for a population control policy come in. “Development is the best contraceptive”, has been (und still is) the slogan of many leftists and average politicians of the South since the world population Conference of Bucharest in 1974. This argument is also supported by the theory of demographic transition, which states – on the basis of the demographic history of the industrialized European countries – that with growing prosperity the birth rate falls, quasi automatically, and finally equals the death rate at the end of the third and final phase of the transition. But this theory was formulated before humankind became aware of the limits to growth. All countries of the South would never be able to reach the prosperity level of e.g. West Germany in 1972, the year in which it completed the third phase of the demographic transition. Moreover, prosperity alone may not suffice. In Saudi Arabia – for the last two decades one of the richest countries of the world – the birth rate is still above 40.15

As a sort of supporting argument to the above, leftists argue that the problem of hunger in the present-day world is no problem at all, that there is enough food in the world, that it needs only to be distributed properly. That is perfectly true. However, some questions remain:

a) We are not only concerned with the situation today. We must also ask: How long can the world food production keep pace with a growing world population? The facts and figures quoted from the works of Trainer and Brown do not give any ground for optimism in this regard.

b) The negative ecological effects of intensive agriculture are well known. Is it permissible to intensify it still further in order to produce more food for a growing population?

c) How can we expect that the peoples of the food-surplus countries would work hard and invest their money in agriculture in order finally to gift away their surplus to the poor peoples of the South? There is hardly any internationalist spirit today among the majorities of the peoples of the world. Even existing nations are breaking up by reason of selfishness of the regions. We must not give up the ideal of international solidarity. But it is a long-term goal. Moreover, viewed from any angle – ecological, economic or political – at least so far as food is concerned, the best policy today is self-sufficiency.

d) The food-surplus countries would surely like to sell their surplus. But where will the poor countries of the South get the foreign exchange from to pay for the continuously rising food imports?

An alternative line of argumentation used against population control policies is based on calculations pertaining to the maximum carrying capacity of the earth. In 1982, it was asserted in a study of the FAO and UNFPA that there is enough land in the Third World (without China) to feed 33 billion people – however, only if every square metre of cultivable land and large quantities of fertilizers and other chemicals are used for the production of a just sufficient quantity of vegetarian food.16 But there is also a model for the production of sufficient food for 15 biilion people with moderate use of fertilizers and other chemicals. This model, it is asserted, permits an ecologically careful handling of nature,17 It is generally assumed that the world population will stabilize sometime between 2050 and 2100 at 11 to 14 billion. According to these models, therefore, there is not only enough time and latitude for a long-term programme of radical social change or revolution but also no reason at all for panic.

I have some objections to and problems with this line of argumentation:

a) If we in the Third World (without China) want to produce enough food for 15 billion people with just a moderate use of fertilizers and other chemicals because we do not want to damage the environment, then agriculture must become more extensive. We would need more cultivated land, but also more land for houses, roads, schools, offices, factories etc. etc. Of course, there is still a lot of land in the world that can be additionally brought under the plough. But we know that every year 6 million hectares cultivated land are being lost through soil erosion, salination etc. If this trend continues, then about the same amount of land will continue to be lost as can be made available every year for cuitivation.18

But let us suppose that with great effort and by means of a proper mix of correct policies this trend can be stopped. Even then, feeding 15 billion people by means of extensive agriculture would mean that a very large portion of the still remaining forests (including the rain forests) would be lost. Of course, the demands of the luxury industries could be radically rejected. But even satisfying the other basic needs of 15 billion people like firewood and building timber would lead to continuous destruction of ever more forests. But, apart from the fact that we humans ourselves need a certain proportion of land covered with forests, these forests are the habitats of many other species (whom also we, by the way, need). Does the human species have the right to conquer more "Lebensraum" (living space)?

b) Millions of people would in that case have to migrate into areas which are still thinly populated. But these areas belong to other groups of humans – to the Amerindians, Maoris, Aborigines and other tribes, Should they be pushed out of their land? Should we wage war against them?

c) What should the peoples of the already densely populated countries – India, Bangladesh, Egypt, e.g. – do, if the peoples and rulers of the thinly populated countries do not give them the permission to immigrate? Of what use are then the above model calculations for them?

d) Preconditions for producing enough food for 15 billion people on the land of the Third World without China (if that were at all possible, about which great doubts exist) are, according to the opponents of all population control policies, a sound agricultural policy, egalitarian economic development, a different development strategy etc. etc. These and a few things more constitute, according to them, the social conditions, only under which population growth can slow down gradually. But the precondition for these preconditions is radically changed power relations. That means, these “preconditions” are actually not preconditions but goals for which we are politically active. Such goals can be attained only at the end of a long struggle. If the population continues to grow before we have reached the above goals, then the ecological balance will be restored by nature itself – through hunger, war, disease, epidemic etc. Do we want that?

e) One simply assumes that the world population would stabilize at 11 to 14 billion. But how? Automatically? Neither prosperity nor a just and egalitarian social order can by themselves cause the number of children per couple to go down to two. They are only favourable conditions.19 For the actual task of limiting the number of children to two, the couples must consciously do something – either on their own initiative or urged by the society. And this is population control. The only question here is whether the couples are doing this voluntarily or under compulsion.

 

Half-Truths And One-Sided, Dogmatic Approaches

Unfortunately, on both sides, most participants in the quarrel (it has indeed been a quarrel, not a discussion!) have till now mainly operated with half-truths and one-sided explanations. In the seventies, the neo-Malthusians had only one explanation for the ecological crisis: overpopulation. Ehrlich e.g. wrote:

“Too many cars, too many factories, too much detergent, too much pesticide, multiplying contrails, inadequate sewage treatment plants, too little water, too much carbon dioxide – all can be traced easily to too many people.”20

Ehrlich, who conceded the existence of exploitation, mentioned here neither the per capita consumption of the rich North nor the capitalist system as a cause of the ecological crisis. Since the late eighties, some of the participants from the North have been mentioning the per capita consumption of the North but not capitalism.

And most protagonists of the other side continue to blame the whole problem on over-consumption in the North, the capitalist system, and imperialism. For instance, Ursula Pattberg, a German sympathizer of the Third World, wrote in 1992:21

“I am against a population policy because it is not the need of the moment. What is needed is rather a different policy on resources. It is a matter of a cultural revolution: a matter of distribution of land, air, water, food and other things. If we can achieve a just distribution of these resources, then the debate on population policy is superfluous.”

On the ecological crisis, she wrote:

“[…]. the causes of environmental destruction in Thailand [...] are quite clearly the interests of capital. It is a matter of profit maximization and destruction of nature for the sake of short-term profits.”

Then she reported:

“In Thailand, there is a People's Forum in which several NGOs have joined up. In their programme, the word 'birth planning' does not occur at all; overpopulation is for them no subject for discussion.”

She quoted from the programme of People's Forum:

“The economically powerful countries will strengthen their efforts to control the resources. They will use all ways and means including the international organizations like the World Bank in order to maintain their good starting position and to represent their interests. The countries of the Third World have been instrumentalized in this process – ignoring the fact that they have a right to their own development.”

Ursula Pattberg sums up: “What these groups demand is the right to use their own resources.”


An Alternative, Synthesizing Political Approach

Instead of rejecting every population control policy and insisting on revolution first or development first, we should come forward with an alternative proposal for a population policy. A good and very necessary thing has fallen in the hands of bad people. We must take it up as our cause and integrate it into our efforts to create an egalitarian, just and ecological society. We must denounce the misuse of facts, but we must not deny the facts themselves. We cannot e.g. deny that the growth of India's population from 360 million in 1951 to 845 million in 1991 is a serious problem for India (if not also for the world), that it has produced a very adverse impact on her environment in addition to lowering the per capita availability of land, food, water and other resources.

It is true, not the whole ecological crisis and not the whole hunger in the world have been caused by the growth of population. But a big role of this factor in the various crises of today and the future cannot be denied. It is not wrong what the UNFPA writes in this regard:

“Population is always part of the equation. For any given type of technology, for any given level of consumption or waste, for any given level of poverty or inequality, the more people there are, the greater is the impact on the environment.”22

We must only stress the other parts of the equation too: the wrong technology, the over-consumption of a minority (especially in the North), the wastage and, last but not least, the bad socio-political system and the bad world economic order (imperialism). Against politics with half-truths we must only practise politics with the whole truth. We must e.g. stress that the number of cars and car-kilometres is not growing the most where the population is growing, but where the latter has become stabilized.

In this connection it is necessary to differentiate between the global problems and the local, regional and national problems. In the case of global problems – general resource depletion, ozone depletion, global warming, and pollution of the oceans, to mention only the best known ones – clearly, the industrial societies are the main culprits. Their per capita consumption of resources and emission of pollutants have grown enormously in the last four decades. But India, e.g., is also partly responsible for the global problems. Even if we assume that India's per capita rates of resource consumption and pollution have not grown, there is no denying the fact that the growth in the number of people consuming and polluting at constant rates makes a great difference in absolute figures.

In case of local, regional or national problems such as water famine, pollution of a river, toxic emissions of a chemical factory or soil erosion through deforestation, one cannot say that for such problems in Third World countries only or even mainly the industrial nations are responsible. Of course, since today all the national economies are interwoven and since multinational corporations are present everywhere, industrial nations also contribute directly or indirectly to such problems . But the main authors of such problems are the peoples of such countries and/or their ruling classes.

Of course, the unjust world economic order and especially the debt crisis are creating a tremendous pressure. But at least so far as the ecological misery is concerned, it would have been there also without the effects of these two factors, also without imperialism and exploitation – simply through the process of economic development, from which, as we know, not only the rich have profited but also the organized working class.

The alternative approach to the population problem I am proposing here can be called an eco-socialist one. Parallel to our criticism of imperialism and capitalism, and parallel to our demand that the economies of the North must shrink, we must also demand and support an active policy for stopping population growth – everywhere in the world where it is still taking place. For, if only the economies of the North shrink, that would not automatically lead to, e.g., the stopping of soil erosion in the South, Of course, many things have to be done to solve the various problems of the South. But stopping the population growth is one of the most important of such things. The peoples of the South should do that in their own interest and before they can make a revolution.

The main reason for the failure or inadequacy of the various hitherto implemented population control programmes are known. To be sure, there are social, cultural and emotional reasons that made the acceptance of such programmes difficult. But these difficulties were not insurmountable. Insurmountable has been actually only the private economic rationality, the fact that for the poor, children – in most cases only sons – are assets and the only old-age security. It is insurmountable, because it is connected with the instinct of self-preservation. Mahmood Mamdani's study of the Indian village Manupur undertaken in the wake of the total failure of an intensive family planning programme bears testimony to the strength of this private economic rationality. Mamdani wrote:

“No programme would have succeeded, because birth control contradicted the vital interests of the majority of the villagers. To practise contraception would have meant to wilfully court economic disaster.”23

For many farmers of Manupur, the private economic rationality went beyond old-age security. Some saw in their children cheap farm labourers who "worked like donkeys" for just board and lodging. Hired labourers would have demanded more. Some saw in their sons who could get Jobs elsewhere a source of prosperity, for the sons respectfully remitted their surplus to the father. In both cases, the children were exploited by the parents. This process could/can go on as long as it was/is possible for the children to produce a surplus which the father could/can appropriate. And this was possible in India in the period 1954 – 1972 covered by Mamdani. That was the period of rapid economic growth; it brought prosperity to many. Sons of poor farmers could find Jobs in towns.

As we know, the period of steady development has come to an end in most Third World countries. The ecological basis of the economy of the future generations has been or is being ruined. Children are not assets any more, at least not for all poor people. The street children of Bombay or Rio can hardly remit any surplus to the parents. Nevertheless, even if they do not produce any surplus for the parents, if they only survive, there is still hope, in many cases unfounded, that they would look after their old parents and at least give them two simple meals a day. That may seem in this brutal, merciless world rational enough for poor people to want to produce five or six children, so that at least two of them could be sons.

This inherent contradiction between private economic rationality and common weal including that of the children and future generations is the strongest argument for socialism. The alternative policy proposal of eco-socialists should be based on this fact. The state should guarantee (only) to the poor a minimum old-age security under the condition that they limit the number of their offspring to two. There is reason to hope that the strongest of all instincts, the instinct of self-preservation, would motivate poor people to accept this offer. If another condition could be added to it, namely that the woman claiming this guarantee must not have married before the age of say twenty one, then these three things together would mean quite a substantial contribution to women's liberation.

Whether the rulers of the South would accept this proposal is at present only a matter for speculation, for no strong political force has submitted it yet. In any case, the probability that they, in their desperation, would accept this proposal is greater than the probability that they would not resist with arms and soldiers the efforts to make a revolution, the prospects of success of which are in any case very bad today. In national-economic terms, a guaranteed old-age security for the poor is much cheaper than everything else that must be undertaken to feed, clothe, house, and educate a growing population.

The health reasons for which many women's groups oppose all hitherto practised population control policies can be easily removed by calling upon men to use condoms or get themselves sterilized. In patriarchy, men are responsible for everything, so they should also bear the burden of reducing the birth rate. The state can convincingly argue that vasectomy is harmless and much easier and cheaper than any other method. It is very important to differentiate between the absolute necessity of population control and the pro and contra of particular means, methods, and programmes thereof.

One particular position of many feminists and leftists that does not convince must be mentioned here. "Children or no children will be decided by us alone", was the justified slogan of the German women's movement in the 1970s against the anti-abortion law. However, self-determination, autonomy, freedom or reproductive choice – whatever one may call it21 – cannot be extended to the question of number of children. As soon as a child is born, the parents make demands on society. Along with the parents, society is also responsible for providing most of the things that a child needs and would need when it becomes a young person. Even if the parents are prepared to work hard for the sake of their child, society may not be able to provide for it milk, food, water, schooling, health care etc. without depriving other children of these things. One often hears the argument: women have always sought to limit births. That is true. But they have not always sought to limit them to two. Even today, most Indian women would like to have two sons and that may lead to five births.

I have heard from a female sociologist from Zimbabwe that in her country a woman attains a good status in society only after she has produced six children. In respect of all other rights and freedoms of an individual, we agree that they end at a point where they harm others, The same should apply to the right to reproductive choice. In a society living on the brink of collapse, an individual cannot have the freedom e.g. to consume as much water or emit as much CO2 as he or she may decide. Similarly, one should not have the freedom to decide the number of one' s children. One may have the freedom to beget less than two children or none at all, but one should not have the freedom to beget more than two. "Freedom is the recognition of necessity", said Hegel. The science of ecology and other sciences having to do with the question of the carrying capacity of the earth have already dictated the necessity that couples limit the number of their children to two, preferably, on average, less than two.

Today, in their political work, eco-socialists can very well combine the two short-term necessities: the necessity to stop population growth and the necessity of social security. They can reasonably consider this as a part of their long-term struggle for radical social change. If it becomes reality, a guaranteed old-age security for the poor would be the beginning of a welfare state. And from there a transition to some kind of a socialist society is at least conceivable, particularly in the poor countries of the world suffering in the regime of capitalist market economy under the heavy pressure of worsening economic and ecological crises. This approach would at least in no way hinder any kind of struggle for socialism.

Some radical leftists may still be thinking that growing poverty of a growing number of people may lead to a revolution. But that is more likely to lead to poor people killing each other and the exploited and oppressed trying to exploit and oppress the other exploited and oppressed. In fact, such things are already happening in the world. Instead of only dreaming of such revolutions, it would be more concrete socialist politics, if the leftists organize a massive campaign in favour of the measures proposed here. It can be considered to be a campaign for ecology and socialism. If some leftists think that today, just four years after the fall of the Berlin wall, the idea of socialism is a chimera, they should still campaign for such measures. After all, if implemented, they would at least mean a certain transfer of resources from the rich to the poor. With such a limited purpose, they have always supported the demands of the organized working class for higher wages. In the countries of the North, leftists and others who solidarize with the peoples of the South may demand that their states materially help the South in this matter.

 

Notes and References

1. Garrett Hardin: “Lifeboat Ethics – The Case Against Helping the Poor”; in Psychology Today; September 1974.

2. Maurice King proposed a sort of passive euthanasia. cf. Maurice King: “Health Is A Sustainable State”; in The Lancet; (8716) 1990, 336:664–667 (I have found this reference in a German book.)

3. The reference here is to the assertion to the contrary made by Francis Fukuyama. cf. Francis Fukuyama: “Das Ende der Geschichte”; in Europäische Rundschau; 4/89; Wien. (Published originally in The National Interest; Summer 1989.)

4. The following summary of the views of Marx, Engels and Lenin on Malthus is based on quotations I have found in Ronald L. Meek (ed.): Marx and Engels on the Population Bomb; Berkeley; The Ramparts Press; 1971.

5. Quoted in Hans Magnus Enzensberger: “Zur Kritik der politischen Ökologie”; in Kursbuch 33 (1973); P. 17.

6. F. E.Trainer: Abandon Affluence!; London; Zed; 1985; P. 211.

7. Lester Brown: “Securing Food Supplies”; in Lester Brown et al.: State of the World 1984; New York; 1984; P.179.

8. F. E. Trainer: (see note 6); P. 209-210.

9. Paul Ehrlich: quoted in Steve Weissman: “Foreword”; in Ronald L. Meek (see note 4); P. XI.

10. Steve Weissman: ibid; P. XII.

11. Ehrlich: quoted in Steve Weissman (see note 9); P. XV.

12. Ehrlich: ibid.

13. Weissman: (see note 9); P. XIII.

14. cf. Lester Brown: “Stabilizing Population”; in Lester Brown et al.(see note 7); P. 26.

15. cf. Donella and Dennis Meadows, Jorgen Randers: Die neuen Grenzen des Wachstums; DVA; 1992; P. 54.

16. cf. Nafis Sadik: The State of World Population 1990; UNFPA; New York; P, 7.

17. Gabriela Simon: “Wie viel ist zuviel?”; in: blätter des iz3W; November 1991; P. 30.

18. Stiftung Entwicklung und Frieden: Global Trends 1991; Bonn; 1991; P. 237-238.

19. The already mentioned cases of Saudi Arabia and China prove this point.

20. Ehrlich: quoted in Barry Commoner: Making Peace With the Planet; P. 143. (The photocopied sheets in my possession do not contain the page stating place and year of publication.)

21. Ursula Pattberg: “Fallbeispiel Thailand - verfehlte Ressourcenpolitik”; in Informationsbrief (Sonderdienst) Weltwirtschaft & Entwicklung; 29.Juni 1992; P. 5-6.

22. Sadik (see note 16); P, 10.

23. Mahmood Mamdani: The Myth of Population Control; Monthly Review Press; New York; 1972. P. 21.

24. cf. e.g. Betsy Hartmann: A Review of Reproductive Rights and Wrongs – The Global Politics of Population Control and Contraceptive Choice; Harper and Row; New York; 1987.

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